"Auch beim Einschlagen eines Nagels ist nicht auszuschließen, dass Schwarze Löcher entstehen"

12. November 2008, 13:13
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Wien - Ob sich die CERN-Verantwortlichen zuvor wohl ausgemalt haben, wie viele Bedenken und Ängste ihr Experiment mit dem Large Hadron Collider auslösen könnten? Gegner des Projektes hatten versucht, den LHC-Start durch eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu verhindern und eine Frau in Indien beging aus Panik infolge reißerischer Medienberichte sogar Selbstmord. Wiederholt ging CERN an die Öffentlichkeit, um das Projekt wieder sachlicher zu präsentieren - andere Physiker bemühten sich ebenfalls, angebliche Gefahren in die korrekten Relationen zu setzen.

"Auch beim Einschlagen eines Nagels ist aus der Sicht der Physik nicht hundertprozentig auszuschließen, dass Schwarze Löcher entstehen - dennoch würde ich mir diesbezüglich keine Sorgen machen" - so kommentierte nun der Theoretische Physiker Anton Rebhan von der Technischen Universität (TU) Wien die Angelegenheit. Rebhan war Dienstag Abend Vortragender beim 5. TU-Forum zum Thema "Der Teilchenbeschleuniger LHC - Hoffnung auf neue Physik ohne Angst vor Schwarzen Löchern".

"An den Haaren herbeigezogen"

Tatsächlich wäre der Nachweis von Schwarzen Löchern im CERN "ein Wunschtraum der Theoretiker", sagte Rebhan. Derartige Phänomene würden erheblich zur Weiterentwicklung des Verständnisses der Materie beitragen. Die Existenz von mikroskopischen Schwarzen Löchern würden die Theorie der Branenkosmologie forcieren, wonach die Gravitation in 10 Dimensionen existiert. Selbst wenn im CERN Schwarze Löcher entstehen, hält es der Wissenschafter für quasi ausgeschlossen, dass davon eine Gefahr für die Menschheit oder gar den ganzen Planeten ausgeht.

Laut Kritiker wäre ein Bedrohungsszenario, dass die winzigen Schwarzen Löcher bestehen bleiben, den Beschleuniger verlassen, sich im Mittelpunkt der Erde sammeln und irgendwann den Planeten von innen gleichsam aufzufressen beginnen. Dieses Szenario beruht laut Rebhan auf derart vielen Annahmen, dass man die Sache ruhigen Gewissens als "an den Haaren herbeigezogen" bezeichnen können. Tatsächlich würden die winzigen Schwarzen Löcher - so sie überhaupt entstehen - sofort wieder zerfallen.

Zustimmung

Die Annahme, dass sie aus irgend einem, bisher unverstandenen Grund doch bestehen bleiben, lasse sich auch durch die Astronomie widerlegen, so Manfred Jeitler vom Institut für Hochenergiephysik (HEPHY) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). So würde das ominöse Szenario - Schwarze Löcher akkumulieren in Himmelskörpern und fressen diese auf - sogenannte Weiße Zwerge und Neutronensterne rasch zerstören, denn die im CERN simulierten Bedingungen kommen auch natürlich im Weltall vor. "Tatsächlich können wir aber Weiße Zwerge und Neutronensterne beobachten", so Jeitler.

Auch weitere Bedrohungsszenarien durch den CERN - wie etwa durch "BOSENOVA"-Phänomene lassen die Wissenschafter nicht unkommentiert. So wird behauptet, dass das zur Kühlung eingesetzte Helium im CERN schlagartig explodieren könne. Die Kühlung sei während des kurzen Probelaufes im September bereits voll in Betrieb gewesen und es seien keine exotischen Ereignisse aus der Quantenwelt passiert, konterten die Experten. Und selbst wenn es in der Zukunft zu derlei Vorfällen käme, könne bestenfalls die Anlage des CERN beschädigt werden. Gefahr für Menschen bestehe nicht. (APA/red)

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