Warum Frauen bomben

12. November 2008, 13:55
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Immer mehr Selbstmord- attentäterinnen kommen aus der Provinz Dijala - Was bewegt sie, sich einen Sprengstoffgürtel umzuschnallen und den Auslöser zu drücken?

Am Wochenende sprengte sich ein 13-jähriges Mädchen in die Luft. Die Sprengstoffladung an ihrem Körper explodierte bei einer Straßensperre in Bakuba, in der Provinz Dijala. Mit ihr starben vier Kämpfer der Bürgerwehr und drei Zivilisten. Seit mehr als zwei Jahren steigt die Zahl der weiblichen Selbstmordattentäter massiv an - besonders betroffen ist die Provinz Dijala.

Insgesamt stammten 28 Selbstmordattentäterinnen in den vergangenen 18 Monaten aus der Provinz nördlich von Bagdad. Während sich in den übrigen Landesteilen die Sicherheitslage verbessert, bleibt Dijala eine Unruheprovinz. Bei einer heute beginnenden zweitägigen Konferenz wollen Regierungs- und Provinzvertreter herausfinden warum so viele junge Frauen aus der Provinz zu Selbstmordattentäterinnen werden.

Verlust und Demütigung

Die Region hat sich zu einem Rückzugsgebiet der Al-Quaida entwickelt. Khadija Assad, eine Menschenrechtsaktivistin aus der Provinz, sagte gegenüber der britischen Tageszeitung Guardian, dass sowohl Neuankömmlinge als auch lokale Imame insbesondere Frauen ansprechen, die ihren Ehemann oder Sohn bei Kämpfen mit den US-geführten oder irakischen Streitkräften verloren haben. Oft werden Frauen auch so tief gedemütigt, dass sie in ihrem Glaubensverständnis keinen Ausweg mehr sehen, als sich umzubringen. Ein weiterer Faktor ist die traditionelle, konservative und ländliche Prägung der Provinz.

Strategisch vorteilhaft

Die Provinz bietet sich auch aufgrund ihrer strategisch vorteilhaften Lage als Stützpunkt an. Diyala grenzt im Osten an den Iran, liegt aber gleichzeitig zentral genug, um es Attentätern zu ermöglichen im gesamten Land zu operieren.

„Die Al-Quaida ist eine sehr anpassungsfähige Organisation", sagt ein Vertreter der US-Streitkräfte zur Times. „Sie machen das was für sie am besten funktioniert und versuchen, die politischen oder kulturellen Einschränkungen, die wir haben, auszunutzen." In der Vergangenheit hätten sie Moscheen verwendet, um dort Versammlungen abzuhalten oder Waffen zu verstecken, weil sie wussten, dass die US-Armee nicht in religiöse Gebäude vorstößt. „Jetzt machen sie Frauen zu Selbstmordattentätern."

Auch kulturelle Unterschiede machen Frauen zu erfolgreicheren Attentätern. In einem Land in dem es Männern nicht erlaubt ist, sich Frauen ohne Begleitung zu nähern, ist es kaum denkbar eine Frau bei einem Checkpoint gründlich zu durchsuchen. Das US-Militär stellt mittlerweile vermehrt Frauen ein, um eine bessere Kontrolle - auch von Frauen - zu ermöglichen. (red, derStandard.at, 12.11.2008)

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    Weibliche Streitkräfte gesucht, um Frauen bei den Checkpoints besser kontrollieren zu können.

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