"Roadrunner" bleibt vor "Jaguar"

20. November 2008, 14:16
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Der Supercomputer in einem Labor des US-Energieministeriums musste sich in der Liste der Top-Superrechner knapp geschlagen geben

Oak Ridge - Der Supercomputer "Jaguar" im Oak Ridge National Laboratory (ORNL) des US-Energieministeriums musste sich bei der Präsentation der neuen Liste auf der Supercomputing Conference in Austin knapp der IBM-Dominanz beugen: Mit nunmehr 1,105 Petaflops (also 1,105 Billiarden Gleitkommazahl-Operationen pro Sekunde) hat "Roadrunner" seinen Spitzenplatz vom Juni 2008 verteidigt. "Jaguar" wird mit 1,059 Petaflops an zweiter Stelle der Toprechner geführt.

"Die Leistungsfähigkeit der Systeme liegt etwa im gleichen Bereich", hatte zuvor Hans-Werner Meuer von der Universität Mannheim und Mitherausgeber der Top-500-Liste ein knappes Rennen bestätigt.

Rang Drei

Mit "Pleiades" am NASA Ames Research Center hat ein Rechner den Weg in die Top 3 gefunden, der nur Industriestandard-Komponenten nutzt. Damit beansprucht Hersteller Silicon Graphics (SGI) die Top-Platzierung unter jenen HPC-Systemen (High Performance Computing), die auch für Standardanwendungen in Industrie und Forschung zum Einsatz kommen.

"Die Verwendung von Standardkomponenten ist im HPC-Bereich heute die Regel", betont Julian Glaser, SGI Director of Sales Central Europe. Bei den zwei Petaflop-Rechnern handelt es sich allerdings um Spezialsysteme, die nicht handelsübliche Konfigurationen nutzen. Pleiades dagegen nutzt laut NASA 100 Blade-Cluster-Racks vom Typ "SGI Altix ICE" und damit insgesamt 12.800 Xeon-Quad-Core-Prozessoren von Intel, um es auf 487 Teraflops Rechenleistung zu bringen. "Somit hat SGI den schnellsten 'General-Purpose'-Rechner, der in dieser Form auch für Standardanwendungen in Industrie und Forschung eingesetzt wird", sagt Glaser.

Testmöglichkeit stößt an ihre Grenzen

Dass Supercomputer mittlerweile die Petaflop-Marke knacken, entwickelt sich langsam zum Problem für den Linpack-Benchmarktest, der auf das Lösen linearer Gleichungssysteme setzt. Er kommt seit der ersten Top-500-Liste im Jahr 1993 zum Einsatz, da er für alle getesteten Systeme verfügbar ist und elegant in einer Zahl Leistungstrends widerspiegelt. Über 15 Jahre konnte Linpack auch mit einer guten Skalierbarkeit für immer stärkere Superrechner punkten, doch hier stößt der Benchmarktest langsam an seine Grenzen. "Beim 'Jaguar' muss über 24 Stunden durchgehend gerechnet werden", erklärt Meuer. Teilausfälle am System in dieser Zeit können das Ergebnis verfälschen und der Supercomputer steht solange nicht für andere Aufgaben zur Verfügung.

Der Zeitaufwand für Linpack wird mit zukünftigen Systemen weiter steigen. "Bei zehn Petaflops kommt die Benchmark-Dauer in die Größenordnung einer Woche", sagt Meuer. Daher wird es in absehbarer Zeit notwendig werden, für die Top-500-Liste eine Alternative zu Linpack zu finden.

Grundsätzlich ist Linpack zum Aufzeigen von Trends in kompakter Form, aber nicht als Entscheidungsbasis bei der Suche nach einem Superrechner gedacht. "Für die Auswahl eines Systems sind andere, umfangreichere Benchmark-Suiten besser geeignet", betont Meuer. (pte/red)

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