Belgrad fahndet nach Mladic-Financiers

12. November 2008, 12:26
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Nach Durchsuchung eines Betriebs in Valjevo sollen ähnliche Polizeiaktionen nun auch in Belgrad bevorstehen

Belgrad - Die serbischen Behörden haben ihre Fahndung nach den zwei noch flüchtigen Angeklagten des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen im einstigen Jugoslawien (ICTY) - dem einstigen Militärchef der bosnischen Serben Ratko Mladic und dem ehemaligen Chef der kroatischen Serben Goran Hadzic - nun erneut auf Personen konzentriert, die sie finanziell unterstützen dürfen. Nach der Durchsuchung eines Privatbetriebes in Valjevo am Montag sollen nun laut der Tageszeitung "Danas" ähnliche Polizeiaktionen auch bei einigen Belgrader Firmen bevorstehen.

Dem Blatt zufolge habe die Polizeiaktion im Betrieb Vujic, im Laufe welcher am Montag die gesamten Finanzunterlagen des Betriebes beschlagnahmt worden waren, "im großem Maß Ergebnisse" gebracht. Die Ermittler interessierten sich vor allem für die Kontakte des Kunststoff-Betriebes zur Belgrader Firma "Impakt", die sich im Besitz vom Mladic-Sohn Darko befindet. Die Geschäftspraktiken der Firma von Mladic Junior waren von den Behörden bisher wiederholt unter die Lupe genommen worden.

Kein Festnahmeversuch

Dass die am Montag in Valjevo vorgenommene Polizeiaktion nicht ein Festnahmeversuch von Mladic war, bestätigte unterdessen der serbische Arbeitsminister Rasim Ljajic, der seitens der Regierung für die Zusammenarbeit mit dem Haager Gericht zuständig ist. Man suche nach Gegenständen, Dokumenten und Spuren, die die Fahnder zu den zwei noch flüchtigen mutmaßlichen Kriegsverbrechern führen könnten, präzisierte der Minister Medien gegenüber. "Niemand, der auf irgendwelche Weise, direkte oder indirekte an der Flucht von Haager Angeklagten beteiligt ist, wird verschont bleiben", versicherte Ljajic.

Der durchsuchte Betrieb in Valjevo befindet sich im Besitz der bosnischen Serben Vladislav und Vidoje Vujic. Der einstige bosnisch-serbische Militärchef Mladic wohnte im Juni 2001 der Hochzeitfeier eines Verwandten von Vladislav Vujic in Valjevo bei, was auch den Behörden seit Jahren bekannt ist. Vidoje Vujic bestätigte andererseits für Medien, dass er wiederholt auf die Jagd mit Personen gegangen sei, die im Kontakt zu Mladic stehen dürften. Die Gebrüder Vujic sollen im Vorjahr auch die Geschäftskontakte mit der Firma von Mladics Sohn gehabt haben, über welche nach Annahmen der Ermittler die Finanzhilfe an den Haager Angeklagten fließen dürfte.

In Belgrad waren vor zwei Jahren mehrere Personen unter Verdacht festgenommen worden, zum Netz von Mladic-Helfern gehört zu haben. Man war dem Haager Angeklagten allerdings nicht auch auf die Spur gekommen.

Der Chefankläger des UNO-Kriegsverbrechertribunals, Serge Brammertz, wird Anfang nächster Woche zu einem erneuten Besuch in Belgrad erwartet, bevor er dem UNO-Sicherheitsrat im Dezember seinen Jahresbericht präsentieren wird. Brammertz hat nach einem Besuch in Zagreb heute auch Sarajevo besucht. (APA)

 

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