"Bräuchten vier weitere Saudi-Arabien"

12. November 2008, 19:13
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Internationale Energieagentur: Erschöpfung der Ölfelder beschleunigt sich

London/Wien - Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt in ihrem am Mittwoch erschienenen "World Energy Outlook 2008" davor, dass das Tempo, mit dem sich die Ölproduktion in den bestehenden Feldern erschöpft, deutlich höher ist als bisher angenommen. Die Agentur hat daher dazu aufgerufen, hunderte Milliarden in den Abbau der fossilen Energieträger zu investieren und gleichzeitig die Umstellung auf kohlendioxidfreie Energiequellen voranzutreiben.

"Wenn der Energieverbrauch so weiterwächst, bräuchten wir vier weitere Saudi-Arabien" , sagte Fatih Birol, Chefökonom der IEA. Weder Versorgung noch Konsum sei auf eine nachhaltige Weise aufgestellt.
Die fossilen Energieträger Öl und Gas werden teuer bleiben, so die IEA - trotz der aktuell gerade wieder nachgebenden Ölpreise. Im Jahr 2030 rechnet die IEA mit einem Preis von 120 Dollar je Fass.

Mit dieser Hochpreis-Prognose korrigiert die in Paris ansässige Agentur übrigens einen ihrer Berichte aus früheren Jahren, wo sie bis zum Jahr 2030 mit einem Preis von knapp 30 Dollar/Fass gerechnet hatte.
Im jetzt vorgestellten IEA-Jahresbericht wurden erstmals 800 bestehende Erdölfelder durchleuchtet.

Im Zentrum der Analyse steht dabei die Frage, wie hoch die "natürliche" Erschöpfung durch die bestehende Produktion ist. Hauptergebnis: Die untersuchten Lagerstätten erschöpfen sich aktuell mit einer Rate von 6,7 Prozent jährlich - ein Wert, der bis 2030 auf 8,6 Prozent steigen dürfte. "Selbst wenn die Ölnachfrage bis 2030 flach bleiben sollte, müssen 45 Millionen Barrel pro Tag - etwa viermal die saudi-arabische Kapazität - dazukommen, um die Effekte der natürlichen Erschöpfung zu kompensieren", so IEA-Exekutivdirektor Nobuo Tanaka. Dennoch glaubt die IEA, dass genug Öl im Boden ist, um die Nachfrage zu befriedigen - vorausgesetzt, die Investitionen fallen nur hoch genug aus.

Nicht nur aufgrund der Endlichkeit der fossilen Reserven sollten erneuerbare Energien forciert werden. Das wegen der Erderwärmung angestrebte Ziel, die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre zu begrenzen, sei mit der verstärkten Ausbeutung von Erdöl und -gas nicht erreichbar.

Noch sei Zeit für einen Kurswechsel, meint die IEA in dem Bericht. Beginnen könnten die Regierungen damit, dass sie die weltweiten Energiesubventionen senken (insgesamt 310 Mrd. Dollar bzw. 243 Mrd. Euro), um diese sodann in Forschung und Entwicklung der Erneuerbaren umzuleiten. (ruz, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.11.2008)

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    Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt in ihrem am Mittwoch erschienenen "World Energy Outlook 2008" davor, dass die Schnelligkeit, mit der sich die Ölproduktion in den bestehenden Feldern erschöpft, deutlich höher ist als bisher angenommen.

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