AWD in Großbritannien auf dem Rückzug

12. November 2008, 11:37
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400 Jobs werden gestrichen, 2009 soll wieder ein ordentlicher Gewinn geschrieben werden, eine Dividende wird heuer nicht ausbezahlt werden

Hannover - Nach mehreren verlustreichen Jahren in Großbritannien verabschiedet sich der deutsche Finanzmakler AWD dort von einem Großteil seines Geschäfts. Die Kosten für die Schließung der Hypothekenvermittlung und die Sanierung der verbleibenden Bereiche sowie das dort aufgelaufene Minus summieren sich auf 40 Mio. Euro, wie AWD am Mittwoch mitteilte. "Damit wird der Konzernjahresüberschuss der AWD Gruppe für das Geschäftsjahr 2008 aus heutiger Sicht nur leicht positiv ausfallen."

Der Versicherer Swiss Life, dem AWD mittlerweile zu 97 Prozent gehört, muss daher für 2008 wohl auf eine Dividende verzichten. Die Schweizer rechnen aufgrund massiver Abschreibungen im Gesamtjahr 2008 im fortgeführten Geschäft mit einem "deutlichen Verlust".

"Wir sind im Epizentrum der Kreditkrise, in England, gezwungen aufzuräumen", sagte AWD-Gründer Carsten Maschmeyer. Die Aufgabe der Vermittlung von Finanzprodukten an Privatkunden und anderer Randaktivitäten kosteten 400 Mitarbeiter den Job. "Damit werden sich die ewigen Verluste nicht mehr fortschreiben." Das Vermögensmanagement und die betriebliche Altersvorsorge - auf sie entfällt die Hälfte des Umsatzes in Großbritannien - sollen allerdings erhalten bleiben.

Während AWD in diesem Jahr nur knapp an den ersten roten Zahlen der Firmengeschichte vorbeischrammt, sieht Maschmeyer das von ihm gegründete Unternehmen 2009 wieder auf Expansionskurs. Ziel sei dann ein "deutlicher Gewinn". Eine genauere Prognose traut er sich derzeit nicht zu. "Wir sind weiter an Übernahmen interessiert", bekräftigte Maschmeyer. Die Zahl der Berater, über die AWD seine Provisionserlöse - die Haupteinnahmequelle - generiert, soll mit Hilfe einer 30 Mio. Euro teuren Anwerbekampagne steigen. Per Ende September lag die Beraterzahl zwar mit 6.300 leicht unter Vorjahresniveau. 1.000 neue Vermittler hätten allerdings bereits unterschrieben. Zudem habe AWD die Zahl der Auszubildenden massiv erhöht.

Wie andere Finanzfirmen macht auch AWD die durch die Finanzkrise ausgelöste Verunsicherung der Anleger zu schaffen. In den ersten neun Monaten ging der Umsatz um 12,5 Prozent auf 493 Mio. Euro zurück. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) schrumpfte um die Hälfte auf 31 Mio. Euro. Unter dem Strich blieben mit 24 Mio. Euro 46 Prozent weniger übrig als ein Jahr zuvor. Während das Geschäft in Deutschland stagnierte, brach es in der zweitwichtigsten Region Österreich und Osteuropa ein. (APA/Reuters)

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