Konjunkturabsturz soll baldige Trendwende folgen

12. November 2008, 19:06
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Alle Konjunkturindikatoren weisen steil nach unten:Das Ifo-Institut registriert das schlechteste Euro-Geschäftsklima seit 15 Jahren. Doch in Deutschland wird schon für das Frühjahr 2009 eine Trendwende erwartet

München/Berlin - Das Wirtschaftsklima im Euroraum hat sich zum fünften Mal in Folge verschlechtert und ist nach einer Umfrage des Ifo-Instituts auf den niedrigsten Stand seit 1993 gesunken. Vor allem die aktuelle Lage wurde im vierten Quartal sehr ungünstig eingeschätzt, erklärten die Münchner Wirtschaftsforscher am Mittwoch. Aber auch die Erwartungen sind so schlecht wie nie seit der Wiedervereinigung.

"Die Erwartungen für die nächsten sechs Monate bleiben nahezu unverändert pessimistisch", erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. "Den Umfrageergebnissen zufolge wird sich der Abschwung im Euroraum weiter fortsetzen."
Allerdings gibt es auch einen Silberstreif am Horizont. Die fünf deutschen "Wirtschaftsweisen" gehen zwar von einer Rezession aus, ab dem Frühjahr 2009 werde sich die Wirtschaft aber langsam wieder erholen. "Die von der Finanzkrise ausgehenden Schockwellen haben die deutsche Wirtschaft voll erfasst" , heißt es in der Prognose. 2009 insgesamt wird sich demnach mit 0,0 Prozent keinerlei Wachstum messen lassen. Die Zahl der Arbeitslosen wird nach ihrer Berechnung nur leicht um 35.000 Personen auf 3,3 Millionen steigen.

Für 2008 beziffern die fünf Wirtschaftswissenschaftler das Wachstum noch auf 1,7 Prozent. Ausschlaggebend für eine Besserung im kommenden Jahr ist nach ihrer Ansicht der private und staatliche Verbrauch, der auch von sinkenden Energiepreisen beflügelt werde. Die staatlichen Konsumausgaben sollen mit 2,2 Prozent etwa auf Höhe der beiden Vorjahre bleiben.

Um dies zu erreichen, müssen nach Ansicht der Gutachter "deutliche Impulse zu einer Stärkung der internen Wachstumskräfte und der Binnennachfrage gesetzt werden". Dabei raten sie dem Staat, Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur und in Bildung über neue Schulden zu finanzieren. Es sei vertretbar, dass im nächsten Jahr die öffentlichen Nettoinvestitionen ausgeweitet und durch ein höheres Defizit finanziert werden. Außerdem raten die Wissenschaftler zu Korrekturen bei der Unternehmensteuerreform, um Investitionen anzuregen.

Kritischer zeigte sich der Vorsitzende des Rates, Bert Rürup, gegenüber Kanzlerin Angela Merkel:"Ihr Beschäftigungs- und Wachstumspaket sehen wir kritisch." Zum einen missfällt ihm das Sammelsurium an Maßnahmen (Gebäudesanierung, KfZ-Steuer), zudem ist ihm das Volumen zu klein. Statt der geplanten zwölf bis 13 Steuermilliarden solle man doppelt so viel in die Hand nehmen.

Streik abgewendet

Erleichterung kam von der Lohnfront: Der drohende Streik der Metaller konnte abgewendet werden. Nach 22-stündiger Verhandlung einigten sich Arbeitgeber und Arbeitgeber auf folgende Lohnerhöhungen:Ab Februar gibt es 2,1 Prozent mehr Lohn, ab Mai weitere 2,1 Prozent plus. Für November, Dezember und Jänner wurde eine Einmalzahlung von 510 Euro vereinbart. Die zweite Stufe der Erhöhung soll bis zu sieben Monaten verschoben werden können. Damit kam die IG Metall den Arbeitgebern ebenso entgegen wie mit der 18-monatigen Laufzeit. Dafür können die Metaller die 4,2 Prozent Plus als Erfolg verkaufen. Sie hatten mehr gefordert als beim letzten Abschluss und der war bei 4,1 Prozent gelegen. (Reuters, bau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.11.2008)

 

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