Wienerberger schließt 27 Werke

12. November 2008, 10:20
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Der Gewinn im dritten Quartal ist deutlich eingebrochen. Bis Ende des Jahres sprerrt der Baustoffkonzern 27 seiner weltweit 200 Fabriken zu

Wien - Der börsenotierte Baustoffkonzern Wienerberger leidet an Finanzkrise und Konjunktureinbruch. Der bereinigte operative Gewinn (EBITDA) ist im dritten Quartal um rund 23 Prozent auf 129,1 (167,5) Mio. Euro gesunken, berichtete das Unternehmen ad hoc am Mittwoch. Wienerberger tritt bei Wachstumprojekten scharf auf die Bremse und macht bis zum Jahresende insgesamt 27 seiner weltweit mehr als 200 Fabriken zu. Der Gruppenumsatz ist dritten Quartal überhaupt nicht mehr gewachsen und beläuft sich auf 663,2 (662,0) Mio. Euro.

Insgesamt spricht die Wienerberger von einem "schlechter werdenden wirtschaftlichen Umfeld" und prognostiziert 2008 ein um voraussichtlich 15 bzw. schlechtestenfalls bis zu 20 Prozent schlechteres operatives Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA).

Wienerberger verspricht die "möglichst rasche Adaptierung der Fixkosten an die Markt- und Absatzgegebenheiten" und kündigt an, in diesem Jahr 27 ältere Werke stillzulegen bzw. einzumotten (11). Von den Schließungen sind 1.400 Mitarbeiter des Konzerns betroffen. Bisher betrugen die Kosten für Werksstilllegungen rund 30 Mio. Euro. "Weiters sind im Sinne eines aktiven Working Capital Managements umfangreiche Werksstillstände in der Winterperiode geplant."

Für 2009 sind nur mehr 100 Mio. Euro für bereits begonnene Wachstumsprojekte und 80 Mio. Euro an laufenden Investitionen vorgesehen, kündigt Wienerberger an. In den vergangenen Jahren waren jeweils rund etwa 250 Mio. Euro nur für Wachstumsprojekte reserviert.

"Liquidität hat in diesen unsicheren Zeiten oberste Priorität", erklärt Wienerberger-Vorstandschef Wolfgang Reithofer in einem Statement. Aufgrund der aktuellen Liquiditätslage sei der Wienerberger-Refinanzierungsbedarf bis Ende 2010 von ca. 475 Mio. Euro bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt gesichert.

Mittel- und Osteuropa noch gut

Noch vergleichsweise glimpflich ist die Wienerberger im dritten Quartal in dem als Cash-cow geltenden Geschäftsbereich in Mittel- und Osteuropa davongekommen. Es ist die einzige Region, in der noch der Umsatz gewachsen ist (+ 17 Prozent), das operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) ging dort im Vergleich zum Vorjahresquartal um lediglich 10 Prozent auf 73,8 (82,2) Mio. Euro zurück. Die EBITDA-Rückgänge in Zentral-Westeuropa betrugen 36 Prozent und jene in Nordwesteuropa 34 Prozent. In Nordamerika halbierte sich das bereinigte EBITDA fast, obwohl die Krise dort bereits im vergangenen Jahr zu spüren war. Waren Mitte 2006 dort noch 2.500 Personen beschäftigt, sind es heute nur mehr 1.100.

Wienerberger-Chef Reithofer macht "Absatzrückgänge, eine flexiblere Preispolitik, die Kosteninflation, die wir nicht zur Gänze weitergeben konnten, sowie Stillstands- bzw. Leerkosten" für das schlechtere Ergebnis verantwortlich. Nach dem von Reithofer am Mittwoch angekündigten Ausgabensenkungsprogramm werden im nächsten Jahr die Investitionen schlagartig auf ein Drittel von heuer gekappt. Während heuer noch 100 Mio. Euro für Instandhaltung und 450 Mio. Euro für Wachstumsinvestitionen ausgegeben werden, wird dieser Betrag 2009 auf 80 Mio. Euro (Instandhaltung) plus 100 Mio. Euro für begonnene Wachstumsprojekte gekürzt. Ziel ist es laut Wienerberger, den freien Cash-flow zu maximieren und die Nettoverschuldung von derzeit 897 Mio. Euro zu reduzieren.

Für Osteuropa werden in den letzten zwei Monaten des laufenden Jahres nur leicht rückläufige Ergebnisse erwartet, das Segment Zentral-Westeuropa erwartet dagegen eine "deutliche Ergebnisverschlechterung", in Nord-Westeuropa ist mit "rückläufigen Ergebnissen" zu rechnen. In Nordamerika wird es weitere Absatzrückgänge geben.

Ob eine Dividende für 2008 ausgezahlt wird, ließ Finanzvorstand Willy van Riet am Mittwoch auf Bloomberg-TV offen - darüber werde Anfang 2009 entschieden: "Erste Priorität haben der free Cash-flow und die Liquidität". Einen Ausblick auf 2009 vermieden sowohl Wienerberger in ihrer Aussendung, als auch van Riet penibel: "Man kann im jetzigen Umfeld nicht vorhersehen, was die Märkte tun", sagte er. (APA)

  • Der Baustoffkonzern 
Wienerberger leidet an Finanzkrise und Konjunktureinbruch.
    foto: epa

    Der Baustoffkonzern Wienerberger leidet an Finanzkrise und Konjunktureinbruch.

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