Künstliche Herzklappen beschichten

11. November 2008, 21:38
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Ein neues Research Studio für Oberflächentechnik

Nanotechnologen am Department für Metallkunde und Werkstoffprüfung an der Montanuniversität Leoben wollen mithilfe dünner Hartstoffschichten Werkzeuge und Produktkomponenten verschleiß- und hitzebeständiger sowie härter machen. In dem "Research Studio SurfEng" soll das Grundlagenwissen in den kommenden drei Jahren zur Marktreife gebracht werden.

Die Entwicklung von Prozessen zur Beschichtung und Oberflächenmodifikation von Bauteilen, Komponenten und Produkten ist seit mehreren Jahren ein Schwerpunkt von Werkstoffwissenschaftern der Montanuni und dem Laserzentrum der Forschungsgesellschaft Joanneum Research in Leoben. "Ziel ist es, mithilfe von plasma- und laserunterstützenden Dünn- und Dickschichttechnologien Reibung und Verschleiß von Werkzeugen oder Bauteilen des Maschinenbaus zu reduzieren oder spezielle funktionelle Eigenschaften zu gewährleisten", sagt Christian Mitterer von Department Metallkunde und Werkstoffprüfung.

Die Anwendungsgebiete sind vielfältig. "Wir können damit zum Beispiel hochtemperaturbeständige Hartstoffschichten für Werkzeuge erzeugen", so Mitterer. Auch in der Medizintechnik werden diese Verfahren angewandt: Das Laserzentrum in Leoben beschichtet künstliche Herzklappen, damit sie vom Körper besser angenommen werden, oder sorgt bei Zahnimplantaten für eine bessere Verträglichkeit. Auch in der Optik hat das Verfahren Einzug gehalten: So wird zur Dekoration auf Brillenfassungen kein Gold mehr aufgetragen, sondern funktionelle Dünnschichten. Diese hätten den gleichen Effekt, seien aber billiger und auch beständiger.

Im Leoben stehen den Forschern laut Mitterer einzigartige Apparaturen zur plasma- und laserunterstützten Oberflächentechnik zur Verfügung. Das hier von rund 30 Experten entwickelte Know-how soll nun rasch im Rahmen des neu geschaffenen "Research Studio SurfEng" (Nano Surface Engeneering Center) umgewandelt werden. Dafür stehen ihm innerhalb der nächsten drei Jahre 1,3 Mio. Euro zur Verfügung.

Insgesamt wurden über die vom Wirtschaftsministerium initiierte und von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG ausgeschriebenen Programmlinie 14 Research Studios Austria gegründet. Der Bund schießt dabei rund neun Mio. Euro zu. (APA, red/DER STANDARD, Printausgabe, 12.11.2008)

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