Im Labor des Wissenschaftsalltags

11. November 2008, 21:36
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Das Symposium "Life under (re)construction" am Vienna Biocenter ist eine Besonderheit: Studenten mussten die Tagung organisieren

Jasna Medvedovic ist zufrieden. "Wir haben nicht nur ein hoch spannendes Thema gefunden, sondern auch eine ganze Reihe von wirklich exzellenten Referenten aus aller Welt. Die Veranstaltung wird sicher ein großer Erfolg und ein Gewinn für alle Teilnehmer."

Die Veranstaltung ist das diesjährige PhD-Symposium des Vienna Biocenter, das unter dem Titel "Life under (re)construction" am 13. und 14. November am Wiener Institut für Molekulare Pathologie (IMP) stattfindet. Das Besondere an dieser und den vorangegangenen international viel beachteten wissenschaftlichen PhD-Tagungen: Sie werden ausnahmslos von Studenten organisiert.

Für die kommende Konferenz zeichnet unter anderen Jasna Medvedovic verantwortlich. Die 25-jährige Studentin, die als Doktorandin seit einem Jahr in der Arbeitsgruppe von Meinrad Busslinger am IMP forscht und lernt, gehört dem zehnköpfigen Organisations-Komitee des Symposiums an.

"Es ist einerseits großartig, andererseits natürlich auch sehr anstrengend, dass wir während des PhD-Programms sämtliche Aufgaben, die Wissenschafter neben ihrer Forschung übernehmen müssen, nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch erlernen müssen", sagt die Kroatin, die Molekularbiologie und Ökologie an der Universität Zagreb studiert hat. "Am schönsten daran ist", verrät Medvedovic, "dass man uns das in völliger Eigenverantwortung machen lässt. Das setzt großes Vertrauen voraus."

Eingebunden in das in neun naturwissenschaftliche Richtungen unterteilte PhD-Programm sind die Universität Wien, die Medizinuniversität Wien und die am Campus Vienna Biocenter angesiedelten Max F. Perutz Laboratories, das Gregor Mendel Institut, das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) und eben das IMP. Der international übliche PhD (Doctor of Philosophy) ist auf drei bis vier Jahre angelegt, im Mittelpunkt steht die Ausbildung zum Forscher beziehungsweise zur Forscherin.

Neben der Vertiefung des Wissens im eigenen Fachbereich steht vor allem die praktische Umsetzung im Vordergrund, die Studierenden sollen selbstständiges wissenschaftliches Arbeiten erlernen, unterstützt von gestandenen Forschern. Den auserwählten Bewerbern winkt eine bis zu vierjährige finanzielle Unterstützung und nach erfolgreichem Abschluss neben dem PhD auch der Dr. rer. nat der Universität Wien. Dafür gilt es jedoch, ein geeignetes Studiendesign zur Überprüfung der eigenen Theorie im Labor zu entwickeln, die Studien selbstständig durchzuführen, die Ergebnisse in den wöchentlichen Montags-Lectures mit Kollegen und Wissenschaftern zu diskutieren, an Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen teilzunehmen, Posterpräsentationen zu entwerfen, Papers zu verfassen, Förderanträge sowie andere Bürokratie zu meistern und, nehmen vielem mehr, auch Konferenzen zu organisieren.

"Wir haben uns für das diesjährige Symposium für Synthetische Biologie entschieden", erklärt Jasna Medvedovic, "weil dieses Gebiet für sehr viele naturwissenschaftliche Fachbereiche eine zunehmend wichtigere Rolle spielt." Nach der Themenfindung hätten die Organisatoren in vier Gruppen jeweils für die vier beschlossenen Teilbereiche der Konferenz "die besten Leute als Referenten gesucht, kontaktiert die meisten auch überreden können", als Speaker teilzunehmen.

Frei nach dem Zitat des Physik-Nobelpreisgewinners Richard Feynman, "What I cannot create, I do not understand", spannt sich der thematische Bogen des Symposiums von der Synthetisierung essenzieller Moleküle über den Nachbau von Zellen bis hin zu den Einflüssen der Synthetischen Biologie auf die Umwelt. Die Studierenden sowie interessierte Wissenschafter und Laien werden dies mit insgesamt 16 Referenten aus aller Welt diskutieren. Und nach dem Symposium und nach dem PhD?

"Ich weiß noch nicht, was ich dann mache beziehungsweise wohin ich gehe", gesteht Jasna Medvedovic. Sie habe zwar jetzt schon einige Angebote, doch sei es noch zu früh für eine Entscheidung. Vorerst genieße sich die Ausbildung am IMP: "Weil das Institut genügend Geld hat, stehen einem auch alle Facilities und Services zur Verfügung, für die man an anderen Einrichtungen zahlen müsste", freut sich die 25-jährige Kroatin. "Wenn du also eine Idee hast, dann kannst du die im Labor auch tatsächlich ausprobieren. Das bringt einen schon weiter." Ganz abgesehen davon sei Wien eine "traumhafte Stadt", sowohl am Tag wie auch in der Nacht. Schließlich studiere man ja nicht 24 Stunden ununterbrochen. (Andreas Feiertag/DER STANDARD, Printausgabe, 12.11.2008)

  • Studenten am Vienna Biocenter (hier am Institut für Molekulare Pathologie) müssen viel Praxisarbeit leisten, dürfen sich dabei aber über relativ viel Freiraum erfreuen.
    foto: standard/corn

    Studenten am Vienna Biocenter (hier am Institut für Molekulare Pathologie) müssen viel Praxisarbeit leisten, dürfen sich dabei aber über relativ viel Freiraum erfreuen.

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