Traurige Augen brauchen Hilfe

11. November 2008, 21:07
1 Posting

Usability-Forscher basteln an Software, die Gesichtsausdrücke erkennt

In langen Schlangen warteten Kinder am Samstagabend im Salzburger Einkaufszentrum Europark vor vier Computerterminals: Bei der "Langen Nacht der Forschung" konnten sie dort "Emotional Flowers" spielen. Das Spielprinzip ist einfach erklärt: Der Gesichtsausdruck der Spieler steuert das Wachstum einer virtuellen Blume - je breiter das Grinsen, desto schneller schießt der Stängel in die Höhe.

"Das ist etwas, was Kinder und Jugendliche begeistert", meint Manfred Tscheligi, der Leiter des Bereichs "Human-Computer Interaction & Usability" am ICT&S Center der Universität Salzburg: "Die rennen uns die Türen ein." Dabei sei das Ganze nicht nur ein Spiel. Gesichtsausdrücke könnten auch als Eingabemethode für ganz andere Computeranwendungen zum Einsatz kommen. Wer etwa fragend und traurig auf sein Textverarbeitungsprogramm schaut, für den könnte sich schon bald automatisch das Hilfe-Fenster aufmachen: "Dafür brauche ich nichts anderes als eine Webcam mit der entsprechenden Software", sagt Tscheligi. Mehr oder weniger freudige Gesichtsausdrücke könnten auch registriert werden, um von den Nutzern Feedback zu verschiedenen Programmteilen zu erhalten.

Reaktionen auf Roboter

Ein anderes von Tscheligis Forschungsprojekten beschäftigt sich damit, wie Menschen auf Roboter reagieren. Dabei bekamen Versuchspersonen bei der "Langen Nacht der Forschung" im Team mit einem menschenähnlichen Roboter eine Rechenaufgabe zu lösen.

In Befragungen erhoben die Forscher dann, ob die Hilfestellung durch die künstliche Intelligenz überhaupt akzeptiert wurde. Im Umgang mit menschenähnlichen Robotern spiele etwa die räumliche Distanz zwischen Mensch und Roboter eine Rolle: "Wenn die Distanz zum Menschen zu gering wird, beginnt eine Phase des Unwohlseins", erklärt Tscheligi: "Also muss ich dem Roboter erst einmal beibringen, dass er einen gewissen Abstand einhalten soll."

In weiterer Folge solle auch erforscht werden, wie ein Roboter - etwa als Haushaltshilfe in der Altenbetreuung - gestaltet sein muss, um akzeptiert zu werden: "Wenn ich jemandem schon einen Roboter gebe, stellt sich natürlich die Frage, wie der aussehen soll", erklärt Tscheligi: "Es ist ja nicht so, dass man einem Roboter grundsätzlich vertraut."

Auch eine bewegliche virtuelle Schaufensterpuppe in einem Bekleidungsgeschäft gehörte am Samstag zu Tscheligis Projekten. Sie passt sich mit Bewegungserkennungssoftware an den Betrachter an: "Wenn die Person hinschaut, wendet sich die Figur auch dem Betrachter zu", schildert Tscheligi. "Wenn ich durch so etwas aktiv angezogen werde, dann bin ich eventuell motiviert, auch später wieder in dieses Geschäft zu gehen, weil sich dort einfach was tut", vermutet er.

Glänzende Aussichten für die Werbewirtschaft? "Man könnte das als Werbemittel verwenden", räumt der Forscher ein. "Aber das Projekt geht darüber hinaus. Psychologische Aspekte stehen im Mittelpunkt: Wie gehen Menschen mit etwas um, das sie noch nicht kennen, und welche nachhaltigen Effekte entstehen daraus?" (Markus Peherstorfer/DER STANDARD, Printausgabe, 12.11.2008)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Vertrauen in einen Roboter hängt von seinem Aussehen ab, sagen Usability-Forscher aus Salzburg.

Share if you care.