"Auch verrückte Ideen ausprobieren"

11. November 2008, 20:42
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Wittgenstein-Preisträger 2008 Markus Arndt erklärt im STANDARD-Interview, wofür er das Preisgeld verwenden will und wo Quantenphysik längst angewendet wird

STANDARD: Der Wittgenstein-Preis ist mit 1,5 Millionen Euro dotiert, die Sie in den nächsten fünf Jahren in die Forschung stecken müssen. Was werden Sie mit dem Preisgeld tun?

Arndt: Der Preis kam zu einem idealen Zeitpunkt, weil bei meiner Arbeitsgruppe, die zurzeit aus elf Diplomanden und Dissertanten besteht, gerade einige Leute fertig geworden sind. Ich werde also einen Teil des Geldes zunächst einmal darauf verwenden, die Gruppe zusammenzuhalten - und auch noch einige junge Forscher anstellen.

STANDARD: Woran werden Sie inhaltlich weiterforschen?

Arndt: Im Wesentlichen wird es um die Fortführung der bisherigen Projekte gehen: nämlich die Grenzen bezüglich Masse und Komplexität von Teilchen auszuloten, bei denen noch Interferenz bzw. Materiewellen nachgewiesen werden können.

STANDARD: Wie groß sind die größten Teilchen jetzt, an denen Sie bis jetzt Quantenphänomene zeigen konnten?

Arndt: Bisher konnten wir Interferenz mit Molekülen erzeugen, die rund 3000 Protonen-Massen haben bzw. eine Länge von rund zwei Nanometern.

STANDARD: Das ist jetzt schon Größen-Weltrekord. Wo liegt denn die natürliche Grenze?

Arndt: Das kann niemand so genau sagen. Man schätzt, dass sie - zumindest bei Versuchen auf der Erde - bei einer bis zehn Millionen Protonen-Massen liegt. Da wollen wir hin. Jenseits davon wird der störende Einfluss der Gravitation zu stark.

STANDARD: Was Sie machen, klingt sehr nach reiner Grundlagenforschung. Können Sie sich Anwendungen vorstellen?

Arndt: Grundsätzlich muss man sagen, dass wir viele Effekte der Quantenphysik längst schon in Form avancierter Technik nützen - etwa beim GPS oder in Kernspintomografen. Was wir machen, ist sicher Grundlagenforschung. Sie findet aber auch schon Interesse in angewandteren Gebieten.

STANDARD: Zum Beispiel?

Arndt: Kürzlich hatten wir die Covergeschichte der Zeitschrift Angewandte Chemie. Chemiker erhoffen sich mit unseren Methoden eine präzisere Bestimmung von Molekülen. Einen Teil des Preisgelds möchte ich aber auch ganz gezielt dafür verwenden, um etwas ganz Neues zu beginnen und verrückte Ideen auszuprobieren. Zum Beispiel, wie Quantenphysik mit der Biologie zusammenhängt. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 12.11.2008)

  • Zur PersonMarkus Arndt (43) ist Professor für Quantennanooptik an der Universität Wien.
    foto: standard/cremer

    Zur Person
    Markus Arndt (43) ist Professor für Quantennanooptik an der Universität Wien.

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