Konzentration auf Quanten

11. November 2008, 20:37
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Am Montagabend wurden Österreichs wichtigste Wissenschaftspreise verliehen - Sie zeigen, dass Life Sciences, Mathematik und vor allem Quantenphysik besonders gut dastehen

"Österreich ist das beste Land für Quantenphysik auf der Welt", sagte Markus Arndt, frisch gebackener Wittgenstein-Preisträger des Jahres 2008, bei seiner Festrede. "Ich kenne keinen Platz auf der Welt, wo es besser wäre." Ist da mit dem Quantenphysiker die Freude über die Auszeichnung durchgegangen? War es die Euphorie bei einer Veranstaltung, auf der sich die heimische Forschung feiert? Wohl kaum, denn dazu ist Markus Arndt ein zu gewissenhafter Physiker, der genau weiß, wovon er spricht.

Dass die Quantenphysik in Österreich tatsächlich so gut dasteht, lässt sich tatsächlich auf vielerlei Art und Weise belegen. Nicht zuletzt mit den zahlreichen nationalen und internationalen Preisen, mit denen die Fachvertreter aus den "Quantenhochburgen" Innsbruck und Wien in den vergangenen Jahren ausgezeichnet wurden.

Der Wittgenstein-Preis, Österreichs wichtigster Wissenschaftspreis, der im Auftrag des Wissenschaftsministeriums jährlich seit 1996 durch den Wissenschaftsfonds FWF vergeben wird, ging mit Arndt bereits zum vierten Mal an einen Quantenphysiker. Vor ihm waren bereits Peter Zoller (1998) und Rudolf Grimm (2005), beide von der Uni Innsbruck, sowie Hannes-Jörg Schmiedmayer (2006, TU Wien) erfolgreich.

Dazu kommt ganz aktuell, dass ihre Kollegen Rainer Blatt (Uni Innsbruck) und Anton Zeilinger (Uni Wien) gerade den erstmals vom Europäischen Forschungsrat (ERC) vergebenen Advanced Investigator Grant (für erfahrene exzellente Forscher) gewonnen haben - um nur die jüngste der vielen internationalen Preise, Auszeichnungen und Förderungen für Zeilinger & Co. zu nennen.

Stärkung der Stärken

Diese Preise und Ehrungen sind das Resultat exzellenter Forschung, die in zahlreichen Publikationen in Top-Journalen wie Science oder Nature ihren Niederschlag fand - sowie der Häufigkeit, mit der diese Publikationen zitiert werden. Veröffentlichungen der Quantenphysiker aus den vergangenen gut zehn Jahren zählen zu den am öftesten zitierten Publikationen von Wissenschaftern aus Österreich.

Das wiederum wurde aufgrund einer wohl überlegten Forschungspolitik möglich: Insbesondere an der Universität Innsbruck konzentriert man sich im Bereich Physik schon seit vielen Jahren ganz auf Quanten und hat die Ressourcen vor allem in diese Forschung gesteckt. Dazu kamen Mittel sowie ein eigenes Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) sowie ein Sonderforschungsbereich des FWF. "Alle beteiligten Forscher ziehen an einem Strang, auch wenn sie inhaltlich nicht immer völlig einer Meinung sind", sagt Rainer Blatt.

Diese Stärkung der Stärke hat sich in vielerlei Hinsicht bezahlt gemacht: "In den nächsten Jahren werden wir thematisch sehr viel breiter werden. Schon jetzt gibt es Kooperationen mit verschiedenen Bereichen der Physik", so Blatt. Eine andere Folge der Quanten-Exzellenz: Die Zahl der Physik-Studenten hat sich in Innsbruck in den vergangenen Jahren verdoppelt.

An den vergangenen und aktuellen Gewinnern der Wittgenstein- und START-Preise (für Nachwuchsforscher) sowie der prestigeträchtigen ERC-Grants lässt sich aber nicht nur die Erfolgsgeschichte der Quantenphysik made in Austria ablesen. Sie dokumentieren auch die anderen Stärken der heimischen Forschungslandschaft.

Klasse, wenn nicht sogar Weltklasse besitzen neben der Physik auch die Mathematik und die Life Sciences. So gingen drei der acht START-Preise 2008 an Nachwuchsphysiker (Markus Aspelmeyer, Uni Wien; Daniel Grumiller, TU Wien und Alexander Kendl, Uni Innsbruck), an einen Mathematiker (Massimo Fornasier (ÖAW Linz) und vier Jungforscher aus den Life Sciences (Tom Battin von der Uni Wien; Karel Riha vom Gregor-Mendel-Institut der ÖAW und Kristin Tessmar-Raible sowie Christina Waldsich, beide von den Max F. Perutz-Labs der Uni Wien).

Bei den erfolgreichen Bewerbern um ERC-Grants 2008 sieht es ganz ähnlich aus. Und zwar nicht nur hinsichtlich der disziplinären, sondern auch der geografischen Herkunft der Preisträger: Neun der zwölf ERC-Gewinner, sechs der acht "Starter" sowie Wittgenstein-Preisträger Markus Arndt sind keine gebürtigen Österreicher.

Internationale Attraktivität

Das bedeutet vor allem zwei Dinge, die eng miteinander verknüpft sind: Österreich hat in bestimmten Bereichen aufgrund der Qualität der Forschung internationale Attraktivität entwickelt - was wiederum auch daran liegt, dass in diesen Forschungsfeldern offene Stellen international ausgeschrieben und nur nach Qualitätskriterien vergeben werden.

Und nur so wurde es möglich, dass Österreich zum besten Platz für Quantenphysik wurde. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 12.11.2008)

  • Weltbestleistung: Mit diesen Molekülen (im Anflug auf ein Beugungsgitter) erzeugte Markus Arndt Interferenzen.
    illustration: quantenoptik, quantennanophysik, quanteninformation, bearbeitung: köck

    Weltbestleistung: Mit diesen Molekülen (im Anflug auf ein Beugungsgitter) erzeugte Markus Arndt Interferenzen.

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