1848 bis 1918

11. November 2008, 19:48
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Während die ungarischen, böhmischen und italienischen Aufstände im Jahr 1848 die Unabhängigkeit von der österreichischen Vorherrschaft anstrebten, hatte die Revolution in Österreich eine liberale und demokratische Veränderung zum Ziel. Am 13. März 1848 kam es zum Sturm auf das Ständehaus, Kanzler Metternich trat zurück und floh nach Großbritannien.

Am 15. März 1848 versprach Kaiser Ferdinand I. die Abschaffung der Zensur und eine Staatsverfassung. Am 16. Juni schlugen österreichische Truppen unter Alfred Fürst zu Windischgrätz den Prager Pfingstaufstand nieder. Nach kriegerischen Auseinandersetzungen in Ungarn folgte die "„Wiener Oktoberrevolution".

Am 6. Oktober 1848 sollten von Wien aus Truppen gegen das aufständische Ungarn ziehen, sympathisierende Wiener Arbeiter, Studenten und meuternde Truppen versuchten den Abmarsch zu verhindern. Der Hof floh mit Kaiser Ferdinand am 7. Oktober nach Olmütz. Am 23. Oktober wurde Wien von konterrevolutionären Truppen, die aus Kroatien und aus Prag angerückt waren, eingeschlossen. Ferdinand dankte ab und überließ den Thron seinem 18-jährigen Neffen Franz Joseph I..

Seit der Niederlage im Deutschen Krieg von 1866 war Österreich aber gezwungen, die Nationalitätenfrage im Vielvölkerstaat zu lösen. Um einer Herrschaft der Slawen vorzubeugen, entschied man sich für die Teilung des Reichs in eine westliche Hälfte, wo die Deutschsprachigen, und eine östliche Hälfte, wo die Ungarn das Übergewicht haben sollten. Der ungarische Reichsteil bekam im Österreichisch-Ungarischen Ausgleich mehr Autonomie. Der Berliner Kongress stellte 1878 die osmanischen Provinzen Bosnien, Herzegowina sowie den Sandschak von Novi Pazar unter österreichisch-ungarische Verwaltung.

Am 16. September 1908 verabredeten Österreich und Russland auf Schloss Buchlau in Böhmen, dass Österreich Bosnien und Herzegowina erhalten, Russland im Gegenzug die freie Durchfahrt durch den Bosporus und die Dardanellen gewinnen sollte. Am 5. Oktober 1908 annektierte Österreich-Ungarn, als das Osmanische Reich nach der Revolution der Jungtürken im Juli des Jahres vorübergehend in seiner Handlungsfähigkeit eingeschränkt war, die Provinz Bosnien und Herzegowina auch formell.

Im Verlauf der Annexionskrise 1908 wollte Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf mehrmals Serbien erobern. Österreich hatte die serbische Landwirtschaft fast ruiniert, indem es 1906 die Grenzen für serbisches Schweinefleisch sperrte (Schweinekrieg). Die Südslawen sollten dem Habsburgerreich, wie Bayern dem Deutschen Reich, untergeordnet werden. Österreich hatte die serbische Landwirtschaft dadurch, dass es 1906 die Grenzen für serbisches Schweinefleisch sperrte (Schweinekrieg), an den Rande des Ruins geführt. Dadurch war in Serbien die Abneigung gegen Österreich noch gewachsen.

Das Deutsche Reich stellte sich 1909 sich hinter Österreich-Ungarn. Bei dieser Gelegenheit fiel das verhängnisvolle Wort von der "Nibelungentreue" zum ersten Mal. Damit brüskierte das Deutsche Reich aber Russland und Großbritannien, die die Annexion nicht hatten anerkennen wollen. Obwohl ein europäischer Krieg noch vermieden werden konnte, ist die Annexionskrise als wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Ersten Weltkrieg anzusehen.

Ein „Balkankrieg" brach 1912 aus. Am 28. Juni 1914 wurden in Sarajewo der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Ehefrau ermordet. Der Erste Weltkrieg begann am 28. Juli 1914 mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. Am 30. Juli befahl Russland die Generalmobilmachung zur Unterstützung Serbiens. Daraufhin erklärte das Deutsche Reich als Bündnispartner Österreich-Ungarns Russland am 1. August den Krieg.

Der Krieg forderte mehr als neun Millionen Menschenleben. Er wurde zunächst zwischen den Mittelmächten, dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn auf der einen Seite und den Entente-Mächten, Frankreich, Großbritannien und Russland sowie Serbien auf der anderen Seite ausgetragen.

Im Kriegsverlauf wurden die Mittelmächte durch das Osmanische Reich und Bulgarien verstärkt, auf alliierter Seite unter anderem Japan, Italien, Portugal, Rumänien und die USA in den Krieg eintraten. Am 21. November 1916 stirbt Kaiser Franz Joseph, Nachfolger wird Karl I.. Nach Kriegsende 1918 wurde Bosnien-Herzegowina Bestandteil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen. In der Tschechoslowakei und in Ungarn wurden Republiken ausgerufen. (DER STANDARD, Printausgabe, 12.11.2008)

  • Revolution in Wien, 1848.
    foto: der standard

    Revolution in Wien, 1848.

  • Franz Joseph, aufgebahrt im Totenzimmer in Schönbrunn.
    foto: der standard

    Franz Joseph, aufgebahrt im Totenzimmer in Schönbrunn.

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