Österreichs Budget für Kunst­förderungen ist 2007 geschrumpft

11. November 2008, 19:06
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Claudia Schmieds Eigenlob im noch unveröffentlichten Kunstbericht ist nicht berechtigt - mit Grafik

Claudia Schmied, seit Jänner 2007 als SP-Bildungsministerin nicht nur, wie ihre Vorgängerin Elisabeth Gehrer, für die Kultur, sondern auch für die Kunst zuständig, hatte Großes angekündigt: die Fusion auch der Rechenschaftsberichte. Doch daraus scheint nichts geworden zu sein: Kürzlich ließ sie dem Parlament nur den Kunstbericht für 2007 als PDF zukommen.

Im Vorwort schreibt die vormalige Kommunalkredit-Managerin, dass sie 2007 erstmals "meiner Vision Ausdruck verleihen" konnte, "Kunst als selbstverständlichen Teil unseres gesellschaftlichen Lebens zu etablieren". 2007 sei "ein gutes Jahr für die Kunst" gewesen.

In der Tat? 2006 - damals war noch Franz Morak (VP) zuständig gewesen - hatte das Budget für die Kunst gesamt und die Bundestheater 227,02 Millionen Euro ausgemacht. Schmied aber verteilte nur deren 226,67 Millionen Euro.

Wirklich trist sieht die Situation aus, wenn man die Zahlen der Kunstsektion analysiert. Denn 2007 standen für Förderungen und Ankäufe 88,48 Millionen zur Verfügung. Bereits acht Jahre zuvor (1999) - unter der Verantwortung von Peter Wittmann (SP) - hatte dieser Wert 88,49 Millionen betragen. Das Wort "Stagnation" ist angesichts der Inflation ein Euphemismus. Zumal das Budget schon einmal, 2001 unter der massiv kritisierten blau-schwarzen Koalition, 107,49 Millionen Euro ausmachte.

Die Ausgaben in der Sparte Festspiele gingen aufgrund der Sonderfinanzierung für das Festspielhaus Bregenz im Jahr 2006 massiv zurück: von 19,28 auf 12,55 Millionen. Im Gegenzug stiegen jene für Film (von 15,48 auf 19,07 Millionen), für darstellende Kunst (von 19,86 auf 20,58 Millionen), für Literatur (von 7,96 auf 8,47 Millionen) und Musik (von 8,17 auf 8,66 Millionen). Weniger Geld gab es für die bildende Kunst (der Wert fiel von 9,1 auf 8,72 Millionen).

Zwei Drittel des Förderbudgets, rund 58 Millionen Euro, gingen an die 50 größten Subventionsempfänger. Und 20 von ihnen - also 40 Prozent - sind Wiener Institutionen. Die Reihenfolge (siehe Tabelle) blieb praktisch gleich. Mehr Geld gab es u.a. für das Österreichische Filminstitut, das Volkstheater, die Wiener Philharmoniker, das Wiener Konzerthaus, die IG Freie Theaterarbeit, den Musikfonds, das Impulstanz-Festival - und die Gesellschaft zur Förderung der Digitalisierung des Kulturgutes.

Diese hatte sich 2001 bereit erklärt, die Verwaltung der bundeseigenen Artothek gegen eine Jahrespauschale von 202.684 Euro zu übernehmen. Sie erhielt von Morak den Zuschlag, obwohl die TheaterservicegmbH ein Anbot über 166.116 Euro pro Jahr für Lagerung, Digitalisierung und Verleihverkehr gelegt hatte. 2006 erhielt die Gesellschaft 307.000 Euro; im Vorjahr waren es schließlich 512.619 Euro. Das nennt man wohl Kostenexplosion. (Thomas Trenkler/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12. 11. 2008)

  • Die größten Suventionsempfänger 2007
    grafik: standard

    Die größten Suventionsempfänger 2007

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