Den Mutigen gehört die Streif

11. November 2008, 19:00
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Der Kitzbüheler Ski Club sucht dringend Vorläufer für die Hahnenkamm-Abfahrt 2009

Kitzbühel/Wien - Können Sie sich freimachen in der Woche vom 19. bis 25. Jänner 2009? Der Kitzbüheler Ski Club hätte einen Job für Sie, falls sie männlich sind und gewissen Erfordernissen genügen. Reich freilich werden Sie nicht werden.

"Es gibt Kost, Logis und Ehre", sagt Michael Huber, der Generalsekretär des K.S.C. und Vorsitzende des Organisations-Komitees der Hahnenkammrennen. Auf der Website befindet sich seit kurzem ein Bewerbungsbogen, den jedermann ausfüllen kann, der sich in der Lage wähnt, Hermann Maier zu zeigen, wo's lang geht. Da das Internet geduldig ist, werden die Kandidaten Mitte Dezember einer praktischen Prüfung unterzogen. Nicht auf der Streif, sondern auf einem anderen geeigneten, also steilen Berg. "Ich werde kein Urteil fällen", sagt Huber, "dazu engagiere ich mir einen erfahrenen Trainer."

Seit alters her ist es Brauch, die Wagemutigen, die sich vor den Rennläufern die Streif hinunter zu werfen haben, aus dem Nachwuchs des Ski Clubs zu rekrutierte. Sie bereiteten sich ein halbes Jahr lang, unter anderem mit Krafttraining, auf das große Ereignis vor. Doch das wird immer schwieriger. Die Anforderungen steigen, und vor allem steigt die Anzahl der Vorläufer. Bereits im Vorjahr hatten die Mannschaftsführer in Kitzbühel auf zwölf bestanden. Zehn haben vor jedem Training und vor der Abfahrt Dienst zu schieben, zwei sind Reservisten.

Quadratur des Kreises

Die Streif kann sich bei jedem Training anders präsentieren, das liegt am Schnee, an der Temperatur, an der Luftfeuchtigkeit. Geht es etwa um ein paar km/h schneller auf einen Sprung zu, kann dieser entscheidend anders ausfallen. Und die Hinweise des Vorläufers fallen umso zweckdienlicher aus, je näher sein Leistungsvermögen an jenes der Rennläufer herankommt. Quasi die Quadratur des Kreises, denn die Hahnenkammabfahrt geben sich ohnehin nur die besten 50 bis 55 ihres Fachs.

Der Job des Vorläufers ist nicht ungefährlich, im Vorjahr beispielsweise brach sich der Kitzbüheler Patrick Hinterseer, Enkel von Ernst Hinterseer, dem Slalom-Olympiasieger 1960 in Squaw Valley, zwei Brustwirbel. Franz Brandt erlitt eine Beckenprellung.

Huber denkt an ehemalige Skirennläufer, kontaktierte den Olympioniken Fritz Strobl, der zweimal die Abfahrt in Kitzbühel gewonnen hat. Strobl lehnte mit dem Hinweis, nicht mehr voll im Training zu stehen, dankend ab. Auch an ÖSV-Alpindirekor Hans Pum und Cheftrainer Toni Giger trat Huber heran. Hoffnungsvolle Nachwuchsfahrer aus den Kadern zu holen, ist ebenfalls problematisch. Befinden sie sich schon im Europacupgeschäft, was jedenfalls für die Eignung spräche, begeben sie sich am Hahnenkamm-Wochenende sinnvollerweise lieber bei zeitgleich stattfindenden Rennen auf Jagd nach Ranglistenpunkten.

Huber sprach auch mit seinen Kollegen aus Wengen und aus dem Grödener Tal, doch nirgends herrscht so große Vorläufernot wie in Kitzbühel. Weshalb es nicht mehr sakrosankt ist, dass es sich bei den Kandidaten um Kitzbüheler, Tiroler, ja Österreicher handeln muss. (Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe 12.11.2008)

 

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    Die Streif ist eine der gefährlicheren Abfahrtspisten dieser Welt. Für Vor- und Rennläufer.

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