Krise beflügelt Ostfantasie der ORF-Sender

11. November 2008, 18:50
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Tochter ORS will das bulgarische Sendernetz kaufen - Mittwoch soll der Stiftungsrat dem Gebot zustimmen - Mit Grafik

Wien - Mehrheitseigentümer ORF muss zustimmen, will die ORS Kaufangebote für andere Firmen legen. Am Mittwoch, geht es also im Stiftungsrat um den Kaufplan der ORS für das bulgarische Sendernetz für Radio, Fernsehen und Richtfunk. Der STANDARD berichtete bereits am 17. Oktober von der Akquisition auf dem Balkan.

Die American Insurance Group will sich von der bulgarischen Telekom trennen, die wiederum verkauft vorab deren Rundfunksendernetz. Der Umsatz dieses Kaufobjekts dürfte derzeit merklich unter jenem der ORS liegen, die 2007 selbst mehr als 70 Millionen Euro schaffte.

24 Kanäle über Antenne

Chancen sieht ORS-Geschäftsführer Michael Wagenhofer mehrfach: Bulgarien steht vor dem Umstieg auf digitales Antennenfernsehen, für den die ORS in Österreich schon einige Erfahrung gesammelt hat. Satellitenempfang ist in Bulgarien mit 13 Prozent überschaubar. Wen das Kabel (56,3 Prozent der TV-Haushalte) nicht erreicht, der nutzt Antenne. Bulgariens Militär macht für digitales Antennen-TV gleich drei landesweite Frequenzketten frei, bei neuestem Stand der Komprimierung ab 2010/11 passen darauf je acht TV-Kanäle. Zum Vergleich: In Österreich waren es aus Platzmangel zum Start drei, nun gibt es sechs nationale Kanäle.

Zusätzliches Geschäft verspricht, dass die bulgarische Senderfirma auch den Richtfunk betreibt, in Österreich traditionell ein Job der Telekom. Über Richtfunk werden auch UMTS-Sender für Handy und mobiles Internet versorgt.

Österreich ist laut ORS bereits zweitgrößter Investor in Bulgarien nach Griechenland, mit Telekom Austria, EVN, Bank Austria, OMV und Raiffeisen. Der Giebelkreuzkonzern hält auch bisher 40 Prozent an der ORF-Sendertochter. Der von Krise und Altlasten belastete ORF könnte seine Mehrheit an der ORS auf Sicht Raiffeisen verkaufen und sich etwa auf eine Sperrminorität von 25,1 Prozent zurückziehen. Ambitionen in die Richtung werden von beiden ORS-Eigentümern regelmäßig kolportiert. So Raiffeisen in der Finanzkrise Appetit darauf hat.

Privatisierungen

Die Finanzkrise könnte der ORS weitere Kaufgelegenheiten neben Bulgarien bieten. Beim tschechischen Sendernetz etwa sind Lehman Brothers an Bord, nicht unbedingt der flüssigste Gesellschafter. Eine Reihe südosteuropäischer Staaten dürfte in nächster Zeit seine Sendernetze privatisieren. In Mazedonien etwa soll es schon 2009 soweit sein.

 

In Slowenien ist die ORS in der zweiten Runde der Ausschreibung für eine Plattform der Privatsender für digitales Fernsehen. Konkurrent dort ist etwa der norwegische Multi Telenor. Der gilt - wie die französische TDF - auch als Mitbewerber um Bulgarien. (fid/DER STANDARD; Printausgabe, 12.11.2008)

  • Der Markt
Slowenien: Derzeit staatlicher Senderbetrieb, öffentlich-rechtliche Anstalt betreibt eigene Digitalfernsehplattform.
Kroatien: Jüngster Regierungsbeschluss: Sender bleiben staatlich.
Serbien: Gilt für die ORS vorerst als schwieriger Markt.
Mazedonien: Privatisierung im kommenden Jahr erwartet, ORS sieht potenzielle Synergien mit Bulgarien.
Albanien: Sender gelten als Privatisierungskandidat, Diskussion läuft.
Tschechische Republik: Sendernetz gehört Finanzinvestoren, darunter Lehman, gilt als Kaufkandidat.
Ungarn: ORS wurde bei Privatisierung 2005 nur zweiter, erst im Vorjahr kaufte die französische TDF das Sendernetz dort.
Rumänien: Privatisierung gilt als Thema.
Bulgarien: Hier steht das bereits privatisierte, aber veraltete Sendernetz zum Verkauf. Soll noch heuer entschieden werden.
    grafik: standard

    Der Markt

    Slowenien: Derzeit staatlicher Senderbetrieb, öffentlich-rechtliche Anstalt betreibt eigene Digitalfernsehplattform.

    Kroatien: Jüngster Regierungsbeschluss: Sender bleiben staatlich.

    Serbien: Gilt für die ORS vorerst als schwieriger Markt.

    Mazedonien: Privatisierung im kommenden Jahr erwartet, ORS sieht potenzielle Synergien mit Bulgarien.

    Albanien: Sender gelten als Privatisierungskandidat, Diskussion läuft.

    Tschechische Republik: Sendernetz gehört Finanzinvestoren, darunter Lehman, gilt als Kaufkandidat.

    Ungarn: ORS wurde bei Privatisierung 2005 nur zweiter, erst im Vorjahr kaufte die französische TDF das Sendernetz dort.

    Rumänien: Privatisierung gilt als Thema.

    Bulgarien: Hier steht das bereits privatisierte, aber veraltete Sendernetz zum Verkauf. Soll noch heuer entschieden werden.

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