Fluchtgefahr

11. November 2008, 18:21
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Aber bei aller Nicht-Sympathie für Elsner: Ein deutliches Unbehagen bleibt

Die Frau des inhaftierten Bankers Helmut Elsner und ihr Rechtsanwalt gaben eine Pressekonferenz. Thema: der Versuch, Stimmung für eine Entlassung des herzkranken Elsners aus der U-Haft zu machen. U-Haft? Wieso, der ist doch schon zu zehn Jahren oder so verurteilt? Ja, aber nichts rechtskräftig.

Elsner sitzt nach wie vor in U-Haft, allerdings wegen einer Anklage in einem verwandten Fall. Es wird ihm keine Haftverschonung bis zu seiner endgültigen Verurteilung gewährt, obwohl die U-Haft schon längst alle (auch strafprozessrelevanten) Termine überschritten hat. Es bestehe "Fluchtgefahr". Wie sich der jedem Österreich bekannte, 73 Jahre alte und mit mehreren Bypässen ausgestattete Elsner durch Flucht seinem Richter entziehen soll, ist ein Rätsel.

Die Justiz hat aber die Lösung: Elsner könnte sich ja in seine Krankheit flüchten, d.h. sich haftunfähig schreiben lassen. Allerdings müsste auch da ein Amtsarzt entscheiden. Der Verdacht, den viele Juristen äußern, Elsner sitze wegen des Haftgrunds "öffentliche Meinung", liegt nahe. Stört das wen? Offenbar nur wenige. Aber bei aller Nicht-Sympathie für Elsner: Ein deutliches Unbehagen bleibt. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 12.11.2008)

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