Wenn Apotheker nebenbei Briefe abstempeln

11. November 2008, 18:42
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Not macht erfinderisch: Schon in den vergangenen Jahren sind wegen der Schließung von Postämtern im ländlichen Raum Provisorien entstanden - von der mobilen Filiale bis zum Postamt im Zweiradladen

Amstetten/Graz/Rennweg/Salzburg/ Thaur - "Wir sind aufgrund unserer zentralen Lage ein wichtiger Nahversorger" , sagt Stefan Krejci, Betreiber des City Centers Amstetten (CCA). Doch die Postfiliale im Einkaufszentrum der Bezirkshauptstadt soll im März 2009 zusperren, wie Krejci letzte Woche von Post-Mitarbeitern erfuhr. "Dabei würden wir in Bezug auf Öffnungszeiten, Filialfläche und Miethöhe mit uns reden lassen", sagt Krejci, "aber Gespräche hat die Post nie gesucht." Nach Schließung dieses Standorts wäre das zentralste Postamt der Stadt am Bahnhof. "Da werden die meisten Leute mit dem Auto hinfahren. Dann gibt es Parkplatzprobleme", ärgert sich Bürgermeister Herbert Katzengruber (SP).

Er erinnere sich noch gut, wie ihm vor wenigen Jahren der Erhalt des Postamts im CCA versprochen wurde. "Einige Kunden sind stinksauer", sagt der Orts-Chef, der von Kreijci etwas über die Schließungspläne erfuhr. Ein Sprecher der Post betonte am Dienstag, es müssten erst Gespräche mit Bürgermeistern und Mitarbeitern geführt werden. Solange könne man zur Zukunft bestimmter Filialen nichts sagen.

"Lassen dich blöd sterben"

Nicht immer funktioniert das Modell des Postpartners so, wie es sich die Beteiligten vorstellen. Ein Beispiel dafür ist der Salzburger Zweiradhändler Peter Maroné. Als die Post im Stadtteil Nonntal vor einigen Jahren schloss, wurde er Postpartner: "Das war nur aus Nonntaler Patriotismus", sagt er zum STANDARD: "Wenn wir hier keine Post mehr haben, können wir gleich alles zusperren." Nur zwei Jahre später hörte er auf: "Die Rechtsanwälte in diesem Stadtteil brachten oft eingeschriebene Briefe, damit ließ sich halbwegs was verdienen. Dann ist einer in Wien auf die glorreiche Idee gekommen, denen direkt Aufkleber fürs Einschreiben zu verkaufen." Er habe die Briefe nur noch abstempeln dürfen und kein Geld mehr verdient: "Das ist denen wurscht, die lassen dich blöd sterben."

Ab diesem Zeitpunkt habe er monatlich bis zu 1400 Euro Verlust durch das Postgeschäft gehabt: "Die wollen alles haben und nichts zahlen: die Lokalität, Strom und so weiter. Teilweise musste ich einen eigenen Mitarbeiter abstellen, das geht natürlich ins Geld. Sogar die Möbel musste ich selber kaufen." Als Partner könne man die Post nicht bezeichnen, sagt Maroné: "Ich will von denen nichts mehr hören. Das ist alles Schwindel und Betrug." Den Postpartner in Salzburg-Nonntal hat ein befreundeter Copyshop-Betreiber übernommen.

Service ohne Aufstockung

Neben den so genannten Postpartnern gibt es aber auch das Modell der Post-Servicestelle, wo man nur Post aufgeben, nicht jedoch den Geldverkehr durchführen kann. Eine solche Servicestelle wird am Gemeindeamt im steirischen St. Oswald bei Plankenwarth betrieben, weil man das dortige Postamt 2005 zusperrte. Gemeindeamtssekretärin, Andrea Ramsauer ist wenig begeistert davon: "Wir müssen das zu unserem Dienst dazu machen - ohne Personalaufstockung". Doch gerade für die Älteren in der Gemeinde sei so eine Stelle besonders wichtig, weiß auch Vizebürgermeister Leopold Klimacsek (SP): "Die sind nicht mehr so mobil und die große Postverteilerstelle in Judendorf-Strassengel ist über 20 Kilometer entfernt". Wo die Ersparnis liegt, "wenn dann acht Postbusse von einer riesigen Verteilerstelle in die verschiedenen Gemeinden fahren müssen", habe Klimacsek auch nicht verstanden: "Immer nur zusperren, das geht nicht. Da müssen jetzt wirklich auch einmal ein paar Manager gehen", gibt er SP-Chef Werner Faymann wütend recht.

Postfilialen auf Rädern

Anders klingt das Feedback auf das "Postmobil", ein Kleinbus im gelben Postamt-Design, der täglich an mehreren Orten Station macht. Nur zwei dieser mobilen Postfilialen sind derzeit im Einsatz: Im Pongau teilen sich seit Oktober 2005 die Gemeinden St. Veit, Goldegg und das benachbarte Lend ein Postmobil, im Pinzgau sind es Hollersbach und Krimml.

Der Bürgermeister der 900-Seelen-Gemeinde Krimml, Erich Czerny (VP), ist damit zufrieden: "Natürlich wäre uns lieber gewesen, das Postamt zu behalten, aber das war schon damals ein Wunsch ans Christkind. So ist noch wer da, der sich auskennt", sagt Czerny, "nicht wie bei den Postpartnern, wo das nur nebenbei mitläuft."

Die pharmazeutische Angestellte der Apotheke in Thaur in Tirol, Eva Ehrschwendtner hätte nicht gedacht, dass sie auch einmal "Postlerin" sein wird. Doch seit vier Jahren verkauft sie nicht nur Aspirin oder Hustensaft, sondern gibt auch Briefe auf oder Überweisungen in Auftrag. Ende Juni 2002 hat die Post ihren Standort im Ort aufgegeben, weil "es sich nicht gerechnet hat" , so der Sprecher der Tiroler Post, Martin Riedl. Anfang Juli übernahm die Apotheke die Aufgaben der Post. Mittlerweile hätten sich die Thaurer daran gewöhnt, ihre Briefe neben dem Medikamentenregal aufzugeben. Rund 150 Post- und 200 Apothekenkunden kommen pro Tag.

Nächstes Postamt weit weg

Schon zweimal bangte man im Kärntner Rennweg am Katschberg um die Schließung des Postamts. "Wo kann ich denn dann meine Post aufgeben?", fragt eine ältere gehbehinderte Dame. Bis zum nächsten Postamt in Gmünd seien es 20 Minuten Fahrzeit, sagt der Rennweger Bürgermeister Franz Eder. In Kärnten könnten mittelfristig rund 100 Postämter geschlossen werden. Nur 15, hauptsächlich in Bezirksstädten, würden übrigbleiben, befürchtet die Kärntner Postgewerkschaft.  (DER STANDARD, Printausgabe, 12.11.2008)

  • Noch näher als bei diesem Briefträger im Burgenland geht Nahversorgung wohl nicht. Im ländlichen Raum fürchtet man besonders, die Personalkürzungen und Postamtschließungen zu spüren.
    foto: matthias cremer

    Noch näher als bei diesem Briefträger im Burgenland geht Nahversorgung wohl nicht. Im ländlichen Raum fürchtet man besonders, die Personalkürzungen und Postamtschließungen zu spüren.

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