Man trifft sich im "Postlädele"

11. November 2008, 17:34
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Im Bregenzerwälder Dorf Langenegg wurde die Poststelle zum Integrationsprojekt

Langenegg - "Oh Entschuldigung, ich dachte mir, da ist die Post!" Es komme gar nicht so selten vor, dass Ortsfremde glauben, sich in der Tür geirrt zu haben, wenn sie im "Postlädele" in Langenegg stehen, erzählt Angelika Olsen und lacht. "Schaut ja wirklich nicht aus wie im Postamt." Stimmt. Eher wie im Kunsthandwerksladen oder alternativen Kaffeehaus.

Die Frauen und Männer der Lebenshilfe-Werkstatt stellen hier ihre Werke aus, verkaufen selbst, bringen Kaffee und Tee, übernehmen Postdienste. Genau darum komme er auch her, sagt ein Geschäftsmann und hievt ein großes Paket auf die Waage: "Hier gibt es keine Beamtenmentalität, alle sind freundlich."

Am Schreibtisch lächelt Erika über das Lob. Sie malt grüne Sonnen auf Papiersäckchen, wenn sie nicht gerade einen Gast bedient. Ihr vis-à-vis sitzt Gebhard. Er klebt Briefmarken, stempelt sie exakt.
"Viele kommen zu uns, weil wir noch die schönen Marken haben", erzählt Betreuerin Angelika. "Und auch noch anderen Superservice" ergänzt Stammkunde Kurt: Kopierdienste oder "Kistle" für seinen selbstgebrannten Schnaps, guten Kaffee und für jeden ein freundliches Wort. Junge Mütter, Pensionisten schauen auf ein "Schwätzle" vorbei, Arbeiter machen Pause.

Die Betriebe aus der Nachbarschaft profitieren vom Abholdienst. Jeden Tag um 10.30 Uhr kommt eine oder einer aus dem Postlädele und holt die Post ab. Sechs Menschen aus der Lebenshilfe-Werkstatt arbeiten im Lädele. Seit fast fünf Jahren betreibt die Lebenshilfe die Postservicestelle der Postfiliale Krumbach. Die Partnerschaft ist im Bregenzerwälder 1098-Menschen-Dorf nicht ungewöhnlich. Hier engagiert sich seit 1997 die Bürgerinitiative "Lebenswert leben" für die Erhaltung der Nahversorgung und steigert beständig das Sozialkapital. (Jutta Berger, DER STANDARD, Printausgabe, 12.11.2008)

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