Eine Generation voller Zukunftsängste

11. November 2008, 17:18
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Eine Jugend unter Stress braucht Visionen und eine Politik, die Lösungen für Alltagsprobleme bietet - Montagsgesprächs zum Thema "Was fordert die Jugend von der neuen Regierung?"

Wien - Früher, da sah Jugend noch anders aus - denn heute regiert der Stress, die Zeit scheint zu knapp für Selbstverwirklichung.

"Was die Jugend unserer Generation charakterisiert, ist, dass sie viele Zukunftsängste plagen. Man muss sich fürchten, kriegt man mal einen Job, von dem man leben kann?" Maria Maltschnig, Bundesvorsitzende des Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ), zeichnet im Einklang mit den Jugendvertretern am Podium des Montagsgesprächs zu "Was fordert die Jugend von der neuen Regierung" das Porträt einer Jugend unter Stress.

Dass sogar "kaum ein junger Mensch" um das Thema der Pension herumkommt, ist für Maltschnig Sinnbild der Sorgen vieler vor einer unsicheren Zukunft. "Sie sollen nicht ständig die Pension erhöhen" , schließt dem Simon Ebner, Vorsitzender der Katholischen Hochschuljugend Österreich (KHJ),eine Forderung seines Umfelds an. Solche Ängste kommen auf, weil es "heute nur noch darum geht, den hohen Lebensstandard zu halten" . Der Wunsch nach Sicherheit hat Priorität vor dem Streben nach mehr.

"Dieses Gefühl - es geht sich etwas nicht mehr aus - das haben wir nicht gehabt." Moderator Gerfried Sperl, Standard-Kolumnist, spricht von einem Pessimismus, der den Optimismus früherer Zeiten abgelöst hat. Interessieren sich Jugendliche für Politik?

Politikverdrossen sind Jugendliche nicht, ist sich das Podium einig. Vor allem Dudu Kücükgöl, Vorstandsmitglied der Muslimischen Jugend, sieht in ihrem Umfeld eine sehr frühe "zwanghafte Politisierung" aufgrund einer politischen Polarisierung.

Sie fordert vor allem eines:Konzepte, die Jugendliche in ihrer Welt abholen. Interkulturalität sei eine, teils problematische, Realität im Alltag vieler. Doch thematisiert werde das "durch Antiwissen, verteilt durch populistische Medien und Parteien" .

Sie erkennt in ihrem Umfeld deshalb Unmut. "Es gibt den Spruch ,eine Frau muss doppelt so gut sein wie ein Mann um dasselbe zu erreichen‘ und eine Muslimin muss dann vierfach so gut sein." FPÖ-Plakate im Wahlkampf hätten vielen muslimischen Jugendlichen das Gefühl vermittelt, angegriffen zu werden.

"In Österreich ist ein großes Potential da für Populismus." Silvia Fuhrmann, Obfrau der Jungen ÖVP, findet es "unfair" den großen Zulauf zu rechten Parteien vor allem der Jugend anzuhängen - sie spricht von einer Tendenz in der Gesamtbevölkerung.

"Die anderen Parteien lassen vermissen, dass sie brauchbare Gegenkonzepte in den Raum stellen. Damit wird der radikalen Rechten der Weg geebnet." Maltschnig kritisiert, dass die ÖVP im NR-Wahlkampf sogar auf den Zug des Populismus aufgesprungen sei.

Chancengleiche Bildung

Forderungen, die "systemüberwindend" wirken, Utopien, fordert Sperl und setzt damit eine weitläufige politische Debatte in Gang.

Maltschnig fordert die flächendeckende Gesamtschule, Fuhrmann widerspricht. "Das ist keineUtopie. Das ist Unsinn." Die zwei parteilichen Vertreter folgen auch ihrer entgegengesetzten Linie zu den Studiengebühren, Maltschnig setzt dem noch die "visionäre" Forderung nach einem Grundstipendium für alle hinzu.

Junge Menschen dürften nicht bloß als Humanressource gesehen werden, es sei wichtig nach ihren Bedürfnissen zu fragen. Diese "Vision" will Ebner den konkreten Vorschlägen entgegenstellen. Bei allen Forderungen ist Bildung das gemeinsame, auch für Kücükgöl:"Wir wünschen uns mehr Chancengleichheit in der Bildung." (Sara Mansour Fallah, DER STANDARD, Printausgabe, 12.11.2008)

  • Silvia Fuhrmann, Dudu Kücükgöl, Gerfried Sperl, Simon Ebner, Maria
Maltschnig stellten sich einer Diskussion über die Forderungen der
Jugend.
    foto: standard/urban

    Silvia Fuhrmann, Dudu Kücükgöl, Gerfried Sperl, Simon Ebner, Maria Maltschnig stellten sich einer Diskussion über die Forderungen der Jugend.

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