Wieder aufbereiteter Urin als zukünftige Trinkwasserquelle

11. November 2008, 16:54
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Ausbau der ISS erhöht Lebensqualität der Astronauten - Ab Mitte 2009 soll die Besatzung auf sechs Personen verdoppelt werden

Cape Canaveral - Die Internationale Raumstation (ISS) steht vor einem größeren Ausbau, der die Lebensqualität der Besatzung um entscheidende Faktoren verbessern wird: Mit dem Space Shuttle "Endeavour" sollen ein neues Wasseraufbereitungssystem, ein Kühlschrank, neue Schlafplätze und ein Fitnessgerät ins All gebracht werden. Die Erweiterung soll bis Mitte nächsten Jahres die Verdoppelung der ISS-Besatzung von drei auf sechs Mitgliedern ermöglichen und damit auch Platz für europäische, kanadische und japanische Astronauten schaffen. Die Besatzung der "Endeavour" bringt die Fracht in der Nacht zum Samstag ins All.

Die Bewohner der ISS freuen sich schon auf die Neuerungen: Eine weitere "Kitchenette" mit Kühlschrank für Lebensmittel stellt eine bedeutende Neuerung dar, denn bisher gibt es auf der ISS nur Warmes oder Lauwarmes. Der einzige Kühlschrank ist für wissenschaftliche Experimente reserviert.

"Es scheint irgendwie belanglos, aber sechs Monate lauwarmer Orangensaft kann einen fertigmachen", sagt die Astronautin Sandra Magnus, die mit sechs Kollegen an Bord der "Endeavour" zur ISS fliegt und dreieinhalb Monate dortbleiben wird. Frische Lebensmittel wie Äpfel oder Zwiebeln gibt es in der ISS nur kurz nach der Ankunft eines Versorgungsschiffs.

Geschlossener Wasserkreislauf

"Endeavour"-Kommandant Christopher Ferguson betont, das neue System der Wasserwiederaufbereitung sei die wichtigste Fracht der Mission. "Das ist es, es gibt keine Parallele dazu." Wohl wahr: Das System soll ein komplett geschlossener Wasserkreislauf sein, der sogar Kondenswasser und Urin wieder zu Trinkwasser verarbeitet. Wenn das System einwandfrei funktioniere, könne nicht nur die Besatzung der ISS verdoppelt werden. Ohne die Notwendigkeit, Frischwasser mitzuführen, seien noch ganz andere Raummissionen vorstellbar, sagte Ferguson.

"Versuchen Sie mal auf der Erde irgendein anderes System zu finden, das Urin in Trinkwasser verwandelt. Das Konzept scheint so abstoßend, dass es niemand auch nur ansprechen würde", sagt der 47-Jährige. Die Erprobung unter den Extrembedingungen der ISS sei ein guter Start. "Der Tag wird auch unten auf diesem Planeten kommen, an dem wir diese Technologie brauchen werden."

Das neue System soll nach der Installation auch gleich getestet werden: Die ISS-Besatzung hat bereits fleißig Urinproben gesammelt, die gefiltert werden sollen und dann zur Analyse wieder mit auf die Erde genommen werden. Bis Frühjahr soll das System funktionieren und die Trinkwasserqualität des wieder aufbereiteten Wassers garantiert sein. Astronaut Donald Pettit, der für die Montage mitverantwortlich ist, sieht es pragmatisch. "Es wird den Kaffee von gestern nehmen und daraus den heutigen Kaffee machen." Der 53-Jährige hat bei einer vorhergehenden Mission über fünf Monate auf der ISS verbracht.

Mehr Lebensqualität

Der Ausbau wird die Lebensqualität auf der ISS deutlich verbessern. Die neuen Schlafabteile sollen individuelle Temperaturregler haben, es wird mehr Steckplätze für Laptops geben und das Fitnessgerät bietet bis zu 30 Programme. Neben den Innenausbauten sollen drei Astronauten der "Endeavour" bei einem Außenbordeinsatz ein klemmendes Sonnensegel reparieren, das seit einem Jahr nicht funktioniert, für die Erweiterung der ISS jedoch notwendig ist. Die 45-jährige Heidemarie Stefanyshyn-Piper wird als bisher erste Frau die Führung bei den drei Einsätzen im freien All übernehmen.

Nach dem Ausbau der ISS sollen ab Mai oder Juni bis zu sechs Astronauten permanent im All bleiben. Dadurch könnte die pro Woche für wissenschaftliche Experimente reservierte Zeit von 10 auf 35 Stunden ausgebaut werden, hofft NASA-Programmleiter Mike Suffredini. Den Großteil ihrer Zeit verbringen die Astronauten derzeit mit Instandhaltungsarbeiten an der zehn Jahre alten ISS. (APA/AP/Marcia Dunn/red)

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    Mit dem Space Shuttle "Endeavour" gewinnt die Internationale Raumstation ein Stück mehr Lebensqualität. Ab Mitte kommenden Jahres soll die ständige Besatzung verdoppelt werden.

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