Fischler: Junge finden "Typen von den Rechtsparteien" cooler

11. November 2008, 15:35
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Ex-EU-Kommissar: Neue Regierung müsse Gegenstrategien überlegen, um eine rechtspopulistische Partei als Nummer eins in Österreich zu verhindern

Brüssel - Der frühere EU-Agrarkommissar Franz Fischler (ÖVP) hat von der erwarteten Koalition aus SPÖ und ÖVP eine Strategie gegen einen weiteren Rechtsruck eingemahnt. Längerfristig gesehen sei das Fehlen eines Konzepts zur Verhinderung des weiteren Erstarkens von FPÖ und BZÖ aus seiner Sicht das "größte Problem" der künftigen Koalition, sagte der ÖVP-Politiker am Rande einer Konferenz über Klimagerechtigkeit am Dienstag in Brüssel.

Fischler gab überdies zu bedenken, dass es am Ende der fünfjährigen Legislaturperiode auch fünf neue, wahlberechtigte Geburtsjahrgänge gibt und "auch schon jetzt unter den jungen Leuten ungefähr 45 Prozent für die Rechtsparteien gestimmt haben". Das würde bedeuten, "wenn es hier keine entsprechende Gegenstrategie gibt, dass wir automatisch dann eine rechtspopulistische Partei oder zwei haben, die zusammen die Nummer eins sind in Österreich". Dies sei es, was er eigentlich verhindern möchte, so Fischler.

"Cooler als die eher traditionellen Typen"

Auf die Frage, ob er innerhalb der ÖVP bereits ein Bewusstsein für dieses Problem orten habe können, sagte der frühere EU-Kommissar, er glaube, eine Partei allein könne das Problem gar nicht lösen: "Das ist eine Koalitionsfrage. Das ist ein Thema, über das die künftigen Koalitionspartner miteinander diskutieren müssen, weil sie nur miteinander dagegen ankämpfen können." In dem Zusammenhang spiele neben der Immigrationsfrage auch die Europafrage eine wichtige Rolle. Und: "Vor allem spielt auch eine Rolle, dass mein Eindruck ist, dass die jungen Leute heutzutage diese Typen von den Rechtsparteien wie man heutzutage sagt 'cooler' finden als die eher traditionellen Typen, die man in den beiden größeren Parteien sieht."

"Neuer Umgang mit Europathemen"

Er selbst habe für eine Gegenstrategie zwar "auch kein Patentrezept anzubieten". Es wäre aber "ein Beginn, wenn man sich dieses Problem unter den Koalitionspartnern bewusst macht, und dann systematisch drüber nachdenkt, wie man besser vorgehen könnte". Man müsse zum Einen eine "neue Art des Umgangs mit den Europathemen" finden, die mehr auf Dialog aufgebaut als nur auf einseitiger Information. Weiters spiele "mit hinein": die Frage der Bildungschancen für die jungen Leute, die Jugendarbeitslosigkeit sowie auch "das politische Marketing: Wie verkaufe ich die politischen handelnden Personen", skizzierte der ÖVP-Politiker seine Ansätze. Laut Fischler ist es irrelevant, ob eine Strategie gegen Rechts in einem Koalitionsabkommen steht oder nicht: "Ob das da drinnen steht, ist meines Erachtens ziemlich irrelevant. Entscheidend ist, dass man dieses Problem angeht." (APA)

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    "Wie verkaufe ich die politischen handelnden Personen?" Darüber müsse man sich in Zukunft mehr Gedanken machen, so der ehemalige EU-Agrarkommissar Franz Fischler.

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