Slowenien: "Delo" stockt Beteiligung an "Vecer" auf knapp 80 Prozent auf

11. November 2008, 15:26
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Größtes Verlagshaus kauft zusätzliche 59,25 Prozent an Marburger Zeitungsunternehmen - Kartellbehörde will Deal prüfen

Das größte slowenische Verlagshaus "Delo" hat zusätzliche 59,25 Prozent der Anteile an "Vecer" erworben und somit seine Beteiligung am Marburger Zeitungsunternehmen auf 79,25 Prozent aufgestockt, berichteten die zu den beiden Verlagshäusern gehörenden Tageszeitungen am Dienstag. Der Kaufpreis wurde nicht bekanntgegeben.

Der Laibacher Verlag hatte bisher 20 Prozent an "Vecer" gehalten, die er 2005 von der steirischen Druckerei Leykam erworben hatte. Seinen Zukauf von "Vecer" begründete er mit "klaren Geschäftssynergien". Die beiden Unternehmen sehen diese in der gemeinsamen Distribution und dem gemeinsamen Druck ihrer Zeitungen sowie in einem gemeinsamen Informationssystem.

70 Prozent des Werbemarkts

Die Kartellbehörde kündigte bereits an, den Deal prüfen zu wollen. Der "Delo"-Verlag müsse die Konzentration innerhalb von 30 Tagen bei der Behörde anmelden, sagte der Leiter der Kartellbehörde, Jani Sorsak, zur slowenischen Nachrichtenagentur STA. Außerdem verlangt die Behörde auch die Vorlage des Kaufvertrages. Branchenkenner halten den Deal vom Gesichtspunkt des Wettbewerbes für fraglich. "Delo" und "Vecer" sollen zusammen rund 70 Prozent des slowenischen Werbemarkts für Tageszeitungen beherrschen, bei der Leserschaft soll der Marktanteil um einige Prozentpunkte niedriger sein.

"Delo" hat nach eigenen Angaben ihre Absicht zur Beteiligungsaufstockung beim Marburger Verlag bereits vor einem Jahr angekündigt und beim Kulturministerium die dafür nötigte Zustimmung beantragt. Nach dem slowenischen Mediengesetz können Zeitungsunternehmer maximal mit 20 Prozent bei Konkurrenzmedien einsteigen, für eine höhere Beteiligung ist eine Vorab-Zustimmung des Ministeriums nötig.

"Vecer"-Anteile

"Delo" kaufte jeweils 19,93 Prozent der Anteile vom Marburger Finanzunternehmen Fimes, dem Bushersteller Tovarna vozil Maribor (TVM) und der kleinen Investmentfirma Rig mit Sitz in Murska Sobota. Die drei Unternehmen hatten im Jänner ihre "Vecer"-Anteile von der Investmentgesellschaft Infond Holding gekauft, nachdem die Kartellbehörde ein Verfahren gegen Infond, den Getränkekonzern Pivovarna Lasko und "Delo" eingeleitet hatte. Die miteinander verbundenen Unternehmen wurden verdächtigt, das Marburger Verlagshaus übernommen zu haben, ohne ein entsprechendes Übernahmeangebot zu veröffentlichen. "Delo" ist im Besitz von Pivovarna Lasko, während Infond Holding der größte Lasko-Aktionär ist.

Zu den weiteren "Vecer"-Aktionären gehören noch der Staatsfonds SOD mit knapp 10 Prozent und das Zeitung-Distributionsunternehmen Delo Prodaja mit 6,9 Prozent. Weitere 3,8 Prozent befinden sich im Streubesitz.

"Vecer" auf Platz vier

"Vecer" landete heuer im zweiten Quartal mit durchschnittlich 42.212 verkauften Exemplaren pro Tag auf dem vierten Platz unter den meistverkauften Tageszeitungen in Slowenien, hinter den beiden zu ihrem neuen Mehrheitseigentümer gehörenden Tageszeitungen, dem Boulevardblatt "Slovenske novice" (86.573 Exemplare) und der Qualitätszeitung "Delo" (59.660 Exemplare). Den dritten Platz sicherte sich die Tageszeitung "Dnevnik" (47.125 Exemplare), an der die Styria Medien AG mit 25,7 Prozent beteiligt ist.

Das Verlagshaus "Delo" hat in den ersten neun Monaten 2008 einen Umsatz von 46,9 Prozent erwirtschaftet, um sechs Prozent mehr als in der gleichen Vorjahrsperiode. Der Gewinn stieg um 142 Prozent auf 4,7 Mio. Euro. (APA)

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