Nachhaltiges Palmöl für Europa - Greenpeace: Etikettenschwindel

11. November 2008, 14:51
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500 Tonnen aus Malaysia in Rotterdam angekommen

Einige Umweltschützer haben am Dienstag in Rotterdam die erste Schiffsladung Palmöl gefeiert, die das Gütesiegel "nachhaltig produziert" trägt. Die 500 Tonnen Öl aus Malaysia wurden nach Angaben der Organisation "Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl" (RSPO) hergestellt, ohne neuen Regenwald zu zerstören und ohne Anwohner oder Tiere zu vertreiben. Das Zertifikat stammt von dieser Organisation. Sie hat 340 Mitglieder, darunter Plantagenbesitzer, Händler, Investoren, Abnehmerfirmen sowie Verbraucher- und Umweltschützer wie die Umweltstiftung WWF. Die Umweltorganisation Greenpeace bezeichnete die Lieferung dagegen als "Etikettenschwindel".

Die Organisation RSPO hatte die Palmöl-Ladung ursprünglich am Dienstag in Rotterdam erwartet und die Feier organisiert, unter anderem mit einem Redner von Oxfam International. Das Schiff befinde sich aber noch im Suezkanal, und die Ankunft werde nun kommende Woche erwartet, teilte ein RSPO-Sprecher am Dienstag auf Anfrage mit. Dennoch entbrannte bereits ein Streit um den Sinn des Palmöl- Zertifikates.

"Die Ankunft der Ladung ist ein kleiner, aber bedeutender Schritt, um eines Tages alles Palmöl in der Welt nachhaltig zu produzieren", sagte Jan Kees Vis, bei dem Konsumgüterkonzern Unilever NV für Nachhaltigkeit zuständig, in Rotterdam. Vis ist gleichzeitig RSPO- Präsident. Palmöl wird zum Beispiel in Seife, Putzmitteln, Margarine, Eis und Schokolade sowie als Beimischung für Biotreibstoff verwendet.

Regenwald zerstört

Palmöl wird vor allem in Malaysia und Indonesien produziert. Für die Plantagen sind in den vergangenen Jahren zehntausende Hektar Regenwald zerstört worden. Nach Angaben der RSPO werden im Jahr rund 38 Millionen Tonnen Palmöl produziert, vier Prozent auf Plantagen mit RSPO-Zertifikat. Dazu gehört auch der malaysische Produzent United Plantations, dessen Ladung in Rotterdam eintraf. Im nächsten Jahr rechnet die RSPO mit doppelt so viel nachhaltigem Palmöl.

Nach einem Bericht von Greenpeace zerstört United Plantation aber in Indonesien weiter Regenwald, legt illegalerweise Torfböden trocken und ist in Konflikte mit der Landbevölkerung verwickelt. Das Unternehmen verstoße damit gegen die RSPO-Kriterien. Das Palmöl der Firma sei ein Klimakiller, sagte die Wald-Expertin von Greenpeace, Corinna Hölzel. "Das Zertifikat ist ein Feigenblatt, und die Regenwaldabholzung geht weiter." Wichtig sei ein Stopp der Zerstörung, um die Artenvielfalt zu erhalten.

Regen- und Torfwälder sind für das globale Klima wichtig, weil sie klimaschädlichen Kohlenstoff binden. Vor allem die Zerstörung der Torfwälder setzt Unmengen CO2 frei. Indonesien ist aufgrund seiner Waldzerstörung nach China und den USA drittgrößter Treibhausgas- Emittent. Weltweit entstehen knapp 20 Prozent aller Treibhausgase durch Waldzerstörung. (APA)

 

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