90 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich

12. November 2008, 09:28
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Wahlordnung beruht seit 1918 "auf dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Stimmrecht aller StaatsbürgerInnen ohne Unterschied des Geschlechtes"

Heute vor 90 Jahren, am 12. November 1918, wurde im "Gesetz über die Staats- und Regierungsform von Deutschösterreich" im Artikel 9 die Wahlordnung, die "auf dem allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Stimmrecht aller StaatsbürgerInnen ohne Unterschied des Geschlechtes" beruht, beschlossen. Die damalige provisorische Nationalversammlung hatte noch am Tag der Ausrufung der 1. Republik über das Frauenwahlrecht entschieden - Frauen durften damit zum ersten Mal wählen.

Im Dezember 1918 wurde die genaue Wahlordnung beschlossen, das Wahlalter auf 20 Jahre und das passive Wahlrecht mit 29 Jahren für Frauen und Männer festgelegt. Am 16. Februar 1919 wählen Frauen zum ersten Mal. In die konstituierende Nationalversammlung ziehen im März 1919 acht Frauen ein: Anna Boschek, Emmy Freundlich, Adelheid Popp, Gabriele Proft, Therese Schlesinger, Amalie Seidel, Maria Tusch und Hildegard Burjan. Burjan ist die erste und zu diesem Zeitpunkt einzige christlich-soziale Abgeordnete im Nationalrat.

Seit den 1970iger Jahren ist die Zahl der aktiven Politikerinnen im Nationalrat kontinuierlich angestiegen. Seit 2002, als mit 33,9% der bisher höchste Frauenanteil unter den Nationalratsabgeordneten erreicht wurde, hat eine Trendumkehr eingesetzt. Nach den beiden letzten Wahlen (2006 und 2008) sank die Zahl der weiblichen Nationalratsabgeordneten deutlich auf derzeit 27,3 Prozent.

Mehr Frauen in die Politik

Die ÖVP-Frauen Vorarlbergs haben anlässlich des Jubiläums auch eine Initiative für mehr Frauen in der Gemeindepolitik angekündigt, die das Frauenreferat im Amt der Landesregierung gemeinsam mit dem Frauennetzwerk Vorarlberg durchführen wird. Landesrätin Schmid an: "Von März bis Juni 2009 wollen wir verstärkt Frauen ermutigen, sich stärker in die Politik einzumischen. Und zwar in der Gemeinde, vor Ort und ganz konkret."

Männer bevorzugt aufgestellt und gewählt

Die Grünen betonten anlässlich des Jubiläums, das die Lage der Frauen im Parlament "bezeichnend für die Situation der Frauen in der Republik" sei. "90 Jahre Frauenwahlrecht stehen leider für 90 Jahre ohne Gleichstellung. Im Parlament, wo die Frauenquote weit entfernt von 50 Prozent ist, wie im Alltag, wo die Gleichstellung am Arbeitsmarkt, bei Gehältern, aber auch im Sozialsystem weiter auf sich warten lässt", so die Frauensprecherin der Grünen Judith Schwentner. Frauen dürften zwar wählen, nach wie vor würden aber Männer bevorzugt aufgestellt und gewählt. Es müssten daher wirksame Maßnahmen, wie die Koppelung der Parteienförderung an den Frauenanteil, ergriffen werden.

Wunschtraum

Auch Madeleine Petrovic, Klubobfrau der Grünen Niederösterreich, meinte, es sei höchste Zeit, dass Gleichberechtigung in der Politik, am Arbeitsmarkt, bei Gehältern, aber auch im Sozialsystem Realität wird. "Solange aber Männer die Manager in diesen Bereichen sind, wird das vermutlich noch lange ein Wunschtraum bleiben", mutmaßt Petrovic abschließend. (red)

Tipp

Die "Republik-Ausstellung 1918/1919" ist anlässlich des 90-Jahres-Jubiäums der Republik Österreich Montag bis Freitag von 9 bis 19 Uhr im Parlament zu sehen.

Auf rund 1.000 Quadratmeter in der Säulenhalle und im Vestibül des Hohen Hauses wird dabei die jüngere Geschichte Österreichs anhand von Themenblöcken nacherzählt. Dabei wird kein großer chronologischer Faden geboten, sondern jeder Bereich in sich geschlossen behandelt. Etwa beim Thema Frauen, das von den ersten Parlamentariern bis hin zu Nationalratspräsidentin Barbara Prammer reicht.

Führungen werden angeboten, Eintritt zwischen einem und vier Euro. Für Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr ist der Eintritt frei.

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    Foto: APA/MARKUS LEODOLTER

    90 Jahre Frauenwahlrecht: Die "Republik-Ausstellung 1918/1919" im Parlament behandelt auch das Thema.

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