Der Wert der (Un-)Freiheit

11. November 2008, 14:10
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Ein Vermenschlichen von Tieren, das geradezu genial wirkt

 

Graz - Das von Lukas Bärfuss und Noël Dernesch verfasste und im Dom im Berg zu Graz beim sSteirischen herbst uraufgeführte Stück "Biffy & Wutz" handelt von der elementaren Suche nach der Freiheit.

Das Stück wird aus der Sicht zweier Hunde erzählt. Der Rüde Wutz und seine Gefährtin Biffy, gespielt von Rupert Lehofer und Monika Klengel vom Theater im Bahnhof, sind ganz normale Hunde mit ganz normalen Besitzern und einem, wie es anfänglich scheint, glücklichen Leben.

Nach und nach beginnt jedoch Biffy, angeregt durch den frei lebenden Streuner Rado, über ihr Leben nachzudenken und erkennt, dass der von den als Unterdrückern agierenden Menschen erzwungene Überfluss das Pfand der Freiheit verlangt.

Sie versucht, Wutz von ihrem Traum des wölfisch freien Lebens zu überzeugen, muss aber erkennen, dass er als kastrierter Rüde weniger Freiheitstrieb besitzt als sie.

Durch ihre revolutionären Taten schafft sie es immer mehr, seinen inneren Wolf freizulegen. So weit, dass selbst eine mögliche Ermordung der Unterdrücker nunmehr akzeptiert wird.

Während Biffy als Endkonsequenz ihrer Taten den Tod in Kauf nimmt, richtet Wutz seine daraus resultierende Aggression gegen seinen Unterdrücker und tötet am Ende nicht nur diesen, sondern mit ihm auch sein gesamtes früheres Leben.

Interessant ist, dass der Regisseur aus einem sehr schlichten Bühnenbild, nur mit von den Schauspielern synchronisierten oder parallel zum Schauspiel ablaufenden Videosequenzen und der Sprechweise der Akteure, zwei aufrechtstehende Menschen glaubhafte Hunde werden lässt.

Die Diktion scheinen Biffy und Wutz teils von ihren Unterdrückern übernommen zu haben, kurze, harte, im Befehlston vorgebrachte Forderungen werden besonders im Spiel zwischen den beiden unüberhörbar. Obwohl das undifferenzierte Vermenschlichen der Tiere im Allgemeinen abzulehnen ist, wird es durch den Kontext des Stückes so nachvollziehbar, dass es geradezu genial wirkt.  (Benedikt Hochwartner/DER STANDARD, 11.11.2008)

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