Telekom Betriebsrat: Jobabbau bei Milliardengewinnen

11. November 2008, 13:03
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Kolek: Michaelis und Nemsic versuchen, "ein Schreckensszenario vorzugaukeln, um auf diese Weise von der Politik übereilte Entscheidungen zu erpressen"

Der Jobabbau der Telekom Austria von 2.500 Mitarbeitern in den nächsten Jahren empört die Belegschaft, erwartet doch die Konzernleitung heuer einen Nettogewinn von 433 Mio. Euro. Nun machte Telekom-Betriebsratschef Michael Kolek dem Ärger in einem Offenen Brief an SPÖ-Chef und Verkehrsminister Werner Faymann und ÖVP-Boss Josef Pröll Luft.

Schreckensszenario

Demnach würden ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis und Konzernchef Boris Nemsic "ein Schreckensszenario vorgaukeln, um auf diese Weise von der Politik übereilte Entscheidungen zu erpressen". Kolek fordert "einen Telekom-Gipfel mit Experten, die Ablöse des unfähigen ÖIAG-Vorstands und eine neue Perspektive für das Festnetz mit echten Fachleuten und einer Anschubfinanzierung".

Bei den Aktionären scheint der personelle Kahlschlag hingegen Hoffnungen geschürt zu haben. Trotz einer Gewinnwarnung legte die Telekom-Aktie Dienstagmittag um 9,48 Prozent auf 10,62 Euro zu.

Ohne Skrupel

Im folgenden Auszüge aus dem Schreiben: "... Ohne Skrupel spielen Michaelis und Nemsic mit dem Schicksal tausender MitarbeiterInnen und ihrer Familien. Gleichzeitig gefährden sie dadurch ausgerechnet in der schwierigen Konjunkturlage den Wirtschaftsstandort Österreich und die Infrastruktur des Landes. Profitieren werden davon nur einige wenige Heuschrecken und die Manager selbst, die den Hals offenbar nicht voll bekommen. ... Auf Kosten von Service, am Rücken der MitarbeiterInnen und der KundInnen wird die Telekom Austria in diesem Jahr neuerlich fast eine halbe Milliarde Euro - exakt 433 Millionen Euro - Nettogewinn erwirtschaften. Operativ (auf EBITDA-Basis) wird die Telekom Austria-Gruppe die Gewinne heuer wieder auf fast 2 Milliarden Euro steigern, das österreichische Festnetz wirft 620 Millionen Euro ab. Die Telekom Austria wird deshalb auch im nächsten Jahr 350 Mio. Euro Dividende an die AktionärInnen ausschütten."

Anfang 2006 gab es 870 Leiharbeiter

Ein Blick in den Telekom-Monitor der Regulierungsbehörde RTR zeigt, dass im gesamten Telekomsektor die Zahl der eigenen Mitarbeiter zurückgeht, während es bei Leiharbeitern seit Ende 2007 einen starken Anstieg gab. Waren im 1. Quartal 2006 noch 17.400 Mitarbeiter in Lohn und Brot, waren es zu Jahresbeginn 2008 nur mehr 16.510. Zum Vergleich: Anfang 2006 gab es 870 Leiharbeiter, im 1. Quartal 2008 waren es bereits 1.340. (APA)

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