Ruth Elsner sucht Gerechtigkeit

11. November 2008, 13:11
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Öfters angedroht, geht Ruth Elsner nun in die Offensive und kämpft an der Seite eines Star-An­waltes für das Ansehen ihres Mannes - eine derStandard.at-Analyse zum Medienspektakel

Die Ursache der Entwicklung auf den Finanzmärkten nimmt dem Bawag-Verfahren jede Dramatik, Helmut Elsner wurde zum Bauernopfer der Politik, Kritik hagelt es an dem wohl weltweit einzigartigen Strafverfahren, an der Richterin, dem Staatsanwalt, falschen Zeugenaussagen und nicht zuletzt an Elsners Nachfolger Ewald Nowotny. Das sind nur einige Kritikpunkte die Ruth Elsner und Anwalt Elmar Kresbach als Argumente medienwirksam ins Treffen führen.

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Skuriler hätte der Fasching nicht beginnen können. Eine sichtlich gezeichnete Ruth Elsner trommelte eine Schar von Journalisten und Kamerateams ins Café Landtmann zur Pressekonferenz. Vordergründiges Thema: So manche Ungereimtheiten beim Bawag-Prozess, die Unschuld ihres Mannes Helmut und natürlich der Appell für Sensibilität an die Medien angesichts der Ohnmacht vor dem österreichichen Justizsystem. Elsner: "Wenn einem nicht einmal die besten Anwälte helfen können, verstehe ich das System nicht mehr." Und als Draufgabe: "Mein Mann, ich, meine Familie sind vernichtet. Ich weiß nicht mehr weiter, ich weiß nicht mehr, wer mir helfen kann."

Was so rührselig klingt, versucht der eloquente Mann an ihrer Seite sachlich zu untermauern: "Helmut Elsner ist ein alter, kranker Mann. Diese harte Strafe ist vollkommen ungerechtfertigt." Einen beträchtlichen Teil Schuld an der Misere trägt laut Kresbach Nowotny, der schon lange - und entgegen seiner Zeugenaussage - vor Amtsantritt über die Verluste der Bawag Bescheid gewusst haben soll und sich dann als Saubermann präsentiert hatte. Und er schiebt nach: Wäre die Causa Bawag jetzt aufgeflogen, wäre sie angesichts der kollabierenden Bankhäuser nicht mehr als eine Schlagzeile wert. Bankengeschäfte seien eben Risikogeschäfte. Unter anderen Umständen wäre Elsner heute möglicherweise ein "Hero". Gelächter im Publikum: Und eine angeschlossene Journalisten-Frage: "Sollte man Bilanzfälschung salonfähig machen?"

Frau Elsner kommt wieder auf die menschlichen Aspekte zurück: "Das Schrecklichste war, zu hören, dass die damalige Justizministerin die Festnahme mit Champagner gefeiert hat." Kresbach: "Die Bawag-Krise brauchte ein Gesicht. Es war, wie ein Wild zu erlegen." Zudem habe Elsner ja die Entscheidungen nicht im Alleingang getroffen. Ein Versuch, an der Optik der Causa zu arbeiten, so manches gutes Licht auf den Ex-Bawag-Chef zu werfen. 48 Jahre habe er für die Bawag gearbeitet, die Pensions-Abfindung - und keinesfalls Abfertigung stünde ihrem Mann in jedem Fall zu, so Elsner weiter.

Zur vermeintlichen Fluchtgefahr des seit 21 Monaten einsitzenden Helmut Elsners meint Kresbach nur lapidar: "Er ist ein alter, kranker Mann, jeder kennt ihn, wohin sollte er denn flüchten?"

Der Versuch, die anwesenden Medien, von den Leistungen Helmut Elsners zu überzeigen, war nicht mehr als ein Versuch. Eher scheint die Pressekonferenz den gegenteiligen Effekt zu zeigen und zeugt einmal mehr von der Realitätsverweigerung mancher Manager und ihrer Frauen. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 11.11.2008)

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    Ruth Elsner und Anwalt Elmar Kresbach plädieren für mehr Menschlichkeit für Helmut Elsner.

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    Ruth Elsner: "Mein Mann war viel kranker, als in der Öffentlichkeit bekannt wurde."

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