UNO wirft Regierungssoldaten Übergriffe vor

11. November 2008, 16:19
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Hilfsorganisationen fordern mehr Friedenstruppen - Rebellenführer Nkunda droht mit Sturz der Regierung in Kinshasa

Kinshasa/Goma - Die UNO-Mission im Kongo (MONUC) hat den Soldaten der kongolesischen Regierungsarmee Übergriffe gegen Zivilisten im Osten des Landes vorgeworfen. Seit Montagabend komme es zu Misshandlungen und Plünderungen, sagte MONUC-Oberstleutnant Jean-Paul Dietrich am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Hilfsorganisationen forderten wiederum mehr UNO-Soldaten zum Schutz der Zivilbevölkerung im Osten der Demokratischen Republik Kongo.

Die Menschenrechtler von Human Rights Watch forderten den UNO-Sicherheitsrat am Dienstag auf, die bisher 17.000 Mann starke UNO-Truppe um weitere 3.000 Soldaten und Polizisten aufzustocken. Die bisherigen politischen Fortschritte zur Beendigung der Kämpfe zwischen Regierung und Rebellen reichten nicht aus, um den Tausenden Flüchtlingen im Osten des Kongo zu helfen, sagte Anneke Van Woudenberg von Human Rights Watch.

Schutz für Bevölkerung

Die UNO-Friedenstruppe im Kongo ist schon jetzt die weltweit größte der Vereinten Nationen. Die Blauhelm-Soldaten von MONUC haben es aber bisher trotzdem nicht geschafft, Kämpfe wie die jetzt wieder im Osten des Landes aufgeflammten zu verhindern. Verhandlungen böten zwar langfristig eine Hoffnung auf Lösung, die Bevölkerung brauche aber kurzfristig Schutz vor Morden und Vergewaltigungen, sagte Van Woudenberg. Bisher sollen mindestens 50 Menschen bei den jüngsten Kämpfen zwischen Regierungssoldaten, mit ihnen Verbündeten Milizen und Rebellen ums Leben gekommen sein.

Die Europäische Union hatte die Konfliktparteien am Montag zu einer sofortigen Einstellung der Kämpfe aufgerufen. Ein militärisches Eingreifen lehnte eine Mehrheit der EU-Staaten aber ab. Dabei hatte zu Beginn der Beratungen auch der französische Außenminister Bernard Kouchner die Forderung erhoben, zur Unterstützung der UNO-Truppe MONUC würden mindestens "3.000 zusätzliche Soldaten" benötigt.

Plünderungen

Die Übergriffe der Regierungssoldaten auf Zivilisten ereigneten sich laut UNO-Mission nördlich von Goma, der Hauptstadt der Provinz Nord-Kivu. Der von der UNO geförderte Sender Radio Okapi berichtete über Fälle von Vergewaltigungen. Laut Dietrich zogen sich die Regierungstruppen von der Front zurück. Das habe in Kanyabayonga zu Unzufriedenheit und Panik bei den Soldaten und ihren Familien geführt. Soldaten hätten in die Luft geschossen, Autos gestohlen und Geschäfte geplündert.

Die MONUC versuche derzeit, die Lage durch den Einsatz von Hubschraubern und Panzerfahrzeugen zu befrieden. "Wir unternehmen alles, um zu verhindern, dass die Rebellen des Nationalkongresses zur Volksverteidigung (CNDP) von Ex-General Laurent Nkunda die Lage ausnutzen und Kanyabayonga angreifen", sagte Oberstleutnant Dietrich.

Der Leiter des UNO-Büros für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) in Goma, Patrick Lavand'homme sagte, wegen der "allgemeinen Unsicherheit" säßen die Mitarbeiter von drei Hilfsorganisationen fest. Ein MONUC-Einsatz sei im Gange, um sie aus ihrer misslichen Lage zu befreien.

Unterdessen drohte Rebellenführer Laurent Nkunda mit dem Sturz der kongolesischen Regierung, sollte er nicht an den Verhandlungen über eine politische Lösung des Konflikts im Ostkongo beteiligt werden. "Wenn er (Präsident Joseph Kabila; Anm.) nun Verhandlungen ausschließt, wird er nicht in der Lage sein, das Land zu führen und zu regieren", sagte Nkunda dem britischen Rundfunksender BBC. Zugleich betonte Nkunda, der von ihm einseitig erklärte Waffenstillstand sei immer noch gültig. Seine Truppen hätten in den vergangenen Tagen nur gekämpft, um auf Angriffe zu reagieren.

Ex-General Nkunda, der mit seiner etwa 6.000 Mann starken Rebellenarmee derzeit vor der Provinzhauptstadt Goma in der Region Nord Kivu steht, war nicht zu dem von der UNO und der Afrikanischen Union (AU) in der vergangenen Woche in Nairobi organisierten Kongo-Krisengipfel eingeladen worden. Bei den Kämpfen geht es um ethnische Konflikte und die Kontrolle von Rohstoff-Einnahmen. (APA/dpa/AP)

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MONUC

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Flüchtlinge in Kibati, nödlich von Gom. 

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