Wien: Rosa Winkel zur Erinnerung an NS-Verfolgung

11. November 2008, 13:01
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Grüne Wien enthüllen temporäres Mahnmal am Morzinplatz, wo die versprochene Gedenkstätte nach wie vor nicht verwirklicht ist

Am vergangenen Freitag fand ein Stadtrundgang anlässlich des Gedenkjahres und zur Erinnerung an die Novemberpogrome 1938 statt. An mehreren Stationen wurde an Gräueltaten der Nationalsozialisten erinnert, aber auch aktuelle Bezüge hergestellt. So erinnerten sich die TeilnehmerInnen unter anderem an Frauenverfolgungen in der NS-Zeit und gleichzeitig an Frauendiskriminierungen heute, an Antisemitismus einst und jetzt sowie an allgegenwärtigen Alltagsrassismus des 21. Jahrhunderts.

Versprochen

Der Rundgang führte die TeilnehmerInnen auch an den Morzinplatz, wo sich einst das GESTAPO-Hauptquartier befand. Seit vielen Jahren warten Lesben, Schwule und TransGender auf das dort versprochene Mahnmal der trans,- bi- und homosexuellen Opfer der NS-Zeit. Das Projekt wurde vor kurzem von Kulturstadtrat Mailath-Pokorny aufgrund technischer Probleme in Frage gestellt. Darauf machten auch die (lesbische) SeniorInnensprecherin der Grünen Wien, Birgit Meinhard-Schiebel, sowie der Grüne Landtagsabgeordnete und Sprecher der Grünen Andersrum Wien, Marco Schreuder, aufmerksam.

Rosa Winkel zur Erinnerung

Sie erinnerten an den Terror und die Verfolgungen während der NS-Zeit und enthüllten symbolisch eine temporäres Mahnmal in Form eines Rosa Winkels zur Erinnerung an das versprochene Mahnmal der Stadt Wien. Schreuder erinnerte daran, dass es zwar keine systematischen Verfolgungen gegeben hat, und der Terror gegen Lesben und - zahlenmäßig vor allem - Schwule nicht mit der Judenverfolgung vergleichbar sei, aber zu keiner anderen Zeit unserer Geschichte die Verfolgungen in einer derart tödlichen Brutalität stattfanden: "Homosexualität war vor der NS-Zeit und danach bis 1971 verboten", so Schreuder weiter: "Daher hatten es diese Opfer besonders schwer, überhaupt als solche anerkannt zu werden."

Gleiches Argumentat damals und heute

Als besonders perfid bezeichnet Schreuder ein noch immer geäußertes politisches Urteil, das bereits in der NS- Zeit galt: "Homsoexuelle galten in der NS-Zeit unter anderem auch deshalb als entartet, weil sie - so die Nazis - keine Kinder zeugten. Dieses Argument wird noch immer verwendet, wenn es um die Verweigerung der Gleichstellung geht. Das sollte uns allen zu denken geben." (red)

  • Birgit Meinhard-Schiebel, Seniorinnensprecherin der Grünen Wien, und Marco Schreuder, Grüner Landtagsabgeordneter, beim Enthüllen des Rosa Winkels.
    foto: grüne wien
    Foto: Grüne Wien

    Birgit Meinhard-Schiebel, Seniorinnensprecherin der Grünen Wien, und Marco Schreuder, Grüner Landtagsabgeordneter, beim Enthüllen des Rosa Winkels.

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