Kindergärtner statt Mechaniker: Jungen hinterfragen traditionelle Berufsbilder

11. November 2008, 14:31
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Im November finden die erstmals in Österreich die "Boys-Days" als Teil der geschlechtsspezifischen Berufsberatung statt - Schwerpunkt pädagogische, pflegerische und soziale Berufe

Mädchen erobern unaufhaltsam typisch "männliche" Berufe. Und die Burschen? Automechaniker, Lokführer, IT-Experte – die berufliche Orientierung vieler junger Männer geht nach wie vor in Richtung traditioneller Rollenbilder. "Ausgehend von einem stereotypen Geschlechtsrollenverständnis haben viele Burschen wenig Zugang zu pädagogischen, pflegerischen oder sozialen Berufen", konstatiert Männerminister Erwin Buchinger. Das Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz veranstaltet deshalb am 17. November erstmals österreichweit den Boys-Day. Ziel ist es, jungen Männern zu ermöglichen, Berufe kennen zu lernen, die bislang als "frauentypisch" galten. 

Männlich/weibliche Berufsidentitäten erweitern

In der Steiermark ist die Männerberatung Graz der Kooperationspartner der bundesweiten Aktion. Der Aktionstag ziele "auf Sensibilisierung und der Förderung eines bunteren, erweiterten Männerbildes", so Fritz Jenni, Jungenarbeiter in der Männerberatung Graz und Projektleiter der Boys-Days 2008/2009. "Traditionelle Rollenbilder, die erziehende, pflegende und soziale Tätigkeiten dem weiblichen Wirkungsbereich zuordnen und auch festschreiben, sollen in Frage gestellt werden."

Wann ist ein Mann ein Mann?

Die Antworten entstünden im Kopf und nicht im Reich der Gene, so Jenni. "Ein starres Festhalten an tradierten männlichen Rollenmustern, die Stärke, Dominanz, Konkurrenz und Autonomie in den Vordergrund rücken, können (Mit)Ursache für eine Vielzahl von Konflikten und Krisen in männlichen Beziehungs- und Lebenswirklichkeiten darstellen." Das könnten Männerberater in ihrer beruflichen Praxis immer wieder beobachten. Starre Rollenstereotype bilden darüber hinaus Stolpersteine auf dem Weg zur Geschlechterdemokratie in Beziehung und Familie, Berufswelt und Gesellschaft, beschreibt der Männerberater.

Die "Geschlechterreflektierende Jungenarbeit" der Männerberatung Graz eröffnet jungen Männern neue Zugänge zum Selbstverständnis ihrer Männlichkeit, zu Klischees über männliche und weibliche Rollenbilder, (Männer)Gewalt, Sexualität, aber auch zu "Männlichkeit und Berufswahl". Zu diesen Themen führt die Männerberatung Graz seit ihrem Gründungsjahr 1996 in allen steirischen Regionen Workshops für Burschen an Schulen und Jugendzentren durch. Hinzu kommen Fortbildungen für PädagogInnen und Fachkräfte, sowie Gender-Forschungstätigkeiten.

Steirische Termine

An der Sonnenhauptschule Gleisdorf hat die Männerberatung Graz bereits einige Workshops durchgeführt – mit durchwegs positiver Resonanz. Am 17. November stehen in Gleisdorf 5 Workshops auf dem Stundenplan – drei für Burschen, zwei für Mädchen. Männer, die bereits im sozialen, erzieherischen oder Pflege-Bereich arbeiten, werden über ihren Berufsalltag und diskutieren über (männliche) alternative Berufs- und Lebensvorstellungen berichten.

Auch im BAKIP Judenburg steht am 21. November der Bubentag auf dem Stundenplan. Workshops, Impulsreferate, Podiumsgespräche und eine "Boy's Lounge" sollen jungen Männern das Berufsbild "Kindergartenpädagoge" näher bringen. (red)

  • "Der sozial kompetente, fürsorgliche Mann ist gefragter denn je. Ein
Zuwachs an Männern in Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen,
Krankenhäusern, Sozial- und Gesundheitseinrichtungen wäre eine
hilfreiche Ergänzung zur wertvollen Arbeit, die Frauen dort leisten.
Männer, die dort tätig werden, haben darüber hinaus sehr gute
Job-Chancen", so Männerberater Fritz Jenni.
    foto: männerberatung graz
    Foto: Männerberatung Graz

    "Der sozial kompetente, fürsorgliche Mann ist gefragter denn je. Ein Zuwachs an Männern in Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen, Krankenhäusern, Sozial- und Gesundheitseinrichtungen wäre eine hilfreiche Ergänzung zur wertvollen Arbeit, die Frauen dort leisten. Männer, die dort tätig werden, haben darüber hinaus sehr gute Job-Chancen", so Männerberater Fritz Jenni.

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