Tierschützer: "Entsetzliche Bedingungen" in europäischen Zoos

11. November 2008, 12:03
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Betriebserlaubnis oft nicht vorhanden - Keine Überwachung durch nationale Behörden

 Viele Tiere in europäischen Zoos leben nach Ansicht von Tierschützern unter "entsetzlichen Bedingungen". Auch sechs Jahre nach dem Inkrafttreten der EU-Zoorichtlinie sei das Wohl von Millionen Zootieren noch immer bedroht, sagte Daniel Turner, Sprecher des Netzwerks europäischer Tierschutzorganisationen ENDCAP, am Dienstag in Brüssel. So hätten viele EU-Staaten nicht die Mittel, um Zoomitarbeiter und Kontrolleure angemessen auszubilden und könnten nicht garantieren, dass alle Tiergärten die nötige Betriebserlaubnis hätten. "Ehrlich gesagt, die Bedingungen in manchen europäischen Zoos sind entsetzlich", sagte er.

Die Zoo-Richtlinie der EU verpflichtet alle Tiergärten in Europa, Tiere nur in artgerechten Gehegen zu halten und regelmäßig von Tierärzten untersuchen zu lassen. Die Zoos müssen Forschungsdaten über den Bestand ihrer Tiere und die Aufzucht in Gefangenschaft austauschen. Zudem sollen sie Besucher über die Arterhaltung informieren. Die Richtlinie schreibt auch vor, dass ein Zoo eine Betriebserlaubnis besitzen muss und nationale Behörden den Tiergarten überwachen.

Besonders schlimme Situation für Bären

Nach Angaben von ENDCAP erfüllt jedoch beispielsweise in Rumänien und Bulgarien kein Zoo die EU-Bedingungen. Im März 2007 habe die EU- Kommission außerdem rechtliche Schritte gegen Spanien eingeleitet, wo sich die Situation seither etwas verbessert habe. In Deutschland stelle die Zahl der kleinen Zoos ein Problem dar, die ohne Erlaubnis betrieben und deshalb auch nicht inspiziert würden. Besonders schlimm sei die Lage in allen europäischen Zoos für Bären, die in Gefangenschaft ihre Neugierde nicht ausleben könnten.

ENDCAP fordert, die Zoorichtlinie noch einmal zu überarbeiten. "Sie ist sehr vage und unspezifisch", sagte Turner. Das führe in den einzelnen Ländern zu Missverständnissen bei der Umsetzung. ENDCAP ist nach eigenen Angaben ein 2005 gegründetes Netzwerk aus 30 Tierschutzorganisationen und Wildtierexperten aus 20 EU-Ländern, die sich gemeinsam gegen die Haltung von wilden Tieren in Gefangenschaft und deren Nutzung für die menschliche Unterhaltung einsetzen. (APA)

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