Royal kandidiert für Posten des PS-Chefs

11. November 2008, 12:33
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54-Jährige will Nachfolge ihres Ex-Lebensgefährten Hollande antreten - Ihren stärksten Kontrahenten, den Pariser Bürgermeister, lud sie zu einer Aussprache ein

Paris - Die ehemalige französische Präsidentschaftskandidatin Segolene Royal (PS) hat angekündigt, dass sie beim sozialistischen Parteitag von Reims am kommenden Wochenende für den Posten des PS-Chefs ins Rennen gehen wird. Die 54-Jährige, deren Entschließungsantrag aus einer Urabstimmung am 6. November mit 29 Prozent der Stimmen siegreich hervorgegangen ist, stellte überdies ein Dokument mit dem Titel "Für die Einheit und Erneuerung der Sozialistischen Partei" vor, das den Vertretern der anderen Entschließungsanträge zur Unterzeichnung vorgelegt werden soll.

Will Kandidatur von anderen PS-Politikern verhindern

In diesem Text wird unter anderem die Notwendigkeit betont, "die ganze Linke zu vereinen". Demnach sollen sich die Sozialisten an alle politischen Kräfte richten, die sich im sozialdemokratischen Modell identifizieren können, "um die Rechte zu schlagen". Wie Royal am Montag gegenüber ihren Sympathisanten erklärte, will sie durch ihre eigene Kandidatur verhindern, dass andere PS-Politiker wie etwa Ex-Arbeitsministerin Martine Aubry für den Posten kandidieren. Vordem hatte Royal durchblicken lassen, dass sie einen ihrer Anhänger wie etwa den Abgeordneten Julien Dray ins Rennen schicken könnte.

Pariser Bürgermeister zu Aussprache eingeladen

Montagabend lud Segolene Royal ihren stärksten Konkurrenten, den Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe, zu einer Aussprache ein. Delanoe, dessen Entschließungsantrag am 6. November 24,9 Prozent der Stimmen erhalten hatte, erklärte nach dem mehr als einstündigen Treffen, dass er sich den Allianzvorschlag der Sozialistin "überlegen" werde. Royals Mitarbeiter sprachen von "ermutigenden Signalen" seitens der Anhänger des amtierenden Parteichefs und ehemaligen Lebensgefährten Royals, Francois Hollande, die sich der Kandidatur Delanoes angeschlossen hatten.

Bei der Urabstimmung erreichte Martine Aubry mit 24,4 Prozent der Stimmen den dritten Rang. Die Bürgermeisterin von Lille ließ die Frage einer eigenen Kandidatur für den Posten des Ersten Sekretärs, den seit elf Jahren Hollande bekleidet, bisher noch offen. Dagegen sagte der Kandidat des linken Parteiflügels, Benoit Hamon, dass er seine Kandidatur beibehalten werde. Der Europaparlamentarier hatte am 6. November 18,6 Prozent der Stimmen erhalten. Der PS-Chef wird nach dem Parteitag am 20. November in einer Urabstimmung der PS-Mitglieder gewählt.

"Schlechtes Images"

Unterdessen ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts ViaVoice, dass Royal in den Augen von 51 Prozent der Franzosen eine gute Parteichefin abgeben würde. 41 Prozent denken das Gegenteil und acht Prozent äußerten keine Meinung in der Frage. Weiters erklärten 55 Prozent der Franzosen, dass die PS aufgrund des internen Nachfolgestreits bei der Vorbereitung des Parteitags ein "schlechtes Images" von sich selbst geliefert habe. (APA)

 

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    Royal bei einer Veranstaltung in Paris.

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