Ex-Präsident setzt Hungerstreik for

11. November 2008, 19:34
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Nach Anhörung im Krankenhaus - Ex-Präsident drohen bei Schuldspruch wegen Veruntreuung mindestens fünf Jahre Gefängnis - Massenproteste gegen Festnahme erwartet

Taipeh - Der unter Korruptionsverdacht stehende taiwanesische Ex-Präsident Chen Shui-bian hat seinen Hungerstreik wieder aufgenommen. Sein behandelnder Arzt teilte am Dienstag in der
Hauptstadt Taipeh mit, Chen, der im vergangenen Mai im Präsidentenamt von seinem politischen Widersacher Ma Ying-jeaou abgelöst worden war, habe im Krankenhaus zucker- und salzhaltige Infusionen akzeptiert, die seinen Zustand stabilisiert hätten. Er wolle zwar immer noch
keine Nahrung zu sich nehmen, sei aber nicht in Lebensgefahr.

Chen war vergangenen Mittwoch in den Hungerstreik getreten, nachdem er unter Korruptionsverdacht festgenommen worden war. Der frühere Staatschef hat alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. Er betrachtet das Verfahren als politisch motiviert.
Vom Gefängnis wurde er am Sonntagabend wegen unregelmäßigen Herzschlags in ein Spital gebracht.

Proteste erwartet

Anhänger von Chens Demokratischer Fortschrittspartei kündigten für Samstag Massenproteste an. Der neue Präsident Ma Ying-jeou betrachtet im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger Chen ebenso wie die kommunistische Führung in Peking die Insel staatsrechtlich als Teil Chinas. Chen hatte während seiner Präsidentschaft die Eigenstaatlichkeit angestrebt.

Chen regierte Taiwan bis zum Mai acht Jahre lang. Zahlreiche seiner Mitarbeiter wurden wegen Korruption verurteilt, auch seine Frau. Chen hat sich vehement für die Unabhängigkeit Taiwans von China eingesetzt. Sein Nachfolger Ma Ying-jeou verfolgt gegenüber Peking einen versöhnlicheren Kurs. Taiwan spaltete sich 1949 von der Volksrepublik ab, welche die Insel aber bis heute als chinesisches Territorium betrachtet.

Korruptionsskandal

Der Korruptionsskandal um Chen hält Taiwan schon seit Monaten in Atem. Der frühere Präsident soll während seiner Regierungszeit umgerechnet rund 345.000 Euro an Spesen veruntreut zu haben. Vor zwei Jahren hatte Chen Ermittlungen nur vermeiden können, weil er als Präsident Immunität genoss. Nach acht Jahren in der Opposition hatte die Kuomintang-Partei im vergangenen März die Präsidentschaftswahl gewonnen, unter anderem auch, weil anhaltende Korruptionsskandal gegen Chen dem Ruf seiner Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) schwer geschadet hatten. Im August trat Chen aus der DPP aus. (APA)

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    Der ehemalige Präsident wird in Handschellen abgeführt.

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