Schulcontainer schrumpfen von 63 auf 50 Quadratmeter

11. November 2008, 13:05
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Wiener grüne Bildungssprecherin: "Es braucht zwei kostenlose verpflichtende Kindergartenjahre" - Wiens Schulen müssten dringend ausgebaut werden

Fünf Punkte fordert die Wiener Bildungssprecherin Susanne Jerusalem von der neuen Regierung: eine Einführung der der gemeinsamen Schule bis 14 Jahre als einzige Schulart, damit einhergehend eine gemeinsame Ausbildung aller PädagogInnen, einen Ausbau der schulischen Infrastruktur in Wien, zwei verpflichtende Kindergartenjahre und mehr SozialarbeiterInnen und PsychologInnen an Schulen.

Kein dritter Schultypus

Die derzeitigen zaghaften Reformen würden auf lange Sicht nichts bringen, glaubt Jerusalem: "Der verunglückte Kompromiss rund um die neue Mittelschule muss korrigiert werden und der Umbau des Schulsystems in eine gemeinsame Schule bis 14 sollte in dieser Legislaturperiode abgeschlossen werden." Die derzeitigen Schulversuche und  die Etablierung eines dritten Schultypus sei genau das Gegenteil von dem, was die SPÖ ursprünglich gefordert habe. "Für die ÖVP kann es hingegen nicht genug verschiedene Schultypen geben, solange ihr Klientel auf die AHS gehen kann", sagte Jerusalem bei einer Pressekonferenz.

Die Angst davor, dass die gemeinsame Schule das Bildungsniveau senken würde, sei unbegründet. Laut PISA-Studie würden das leistungsschwächste Viertel der AHS Schüler ähnliche Leistungen wie das beste Viertel der dritten Leistungsgruppe an den Hauptschulen erbringen, argumentiert Jerusalem.

Mehr Platz für alle

Die Reform des Schulsystems müsste Hand in Hand mit der Entwicklung eines gemeinsamen universitären Studiums für alle PädagogInnen gehen. "Die gemeinsame Schule wird ohne die gemeinsame Lehrerausbildung nicht funktionieren", meint Jerusalem. Für Wien verlangt die Bildungssprecherin mehr Investitionen und Platz für SchülerInnen und LehrerInnen: "Wenn Kinder auf derart engem Raum wie in manchen Wiener Schulen zusammenleben müssen, dann sind Aggressionen unvermeidbar. Da helfen die besten Mediationskonzepte nichts." Viele Schulen seien von Halbtags- einfach zu Ganztagsschulen umgebaut worden, ohne jedoch die Infrastruktur anzupassen.

Ihr "erklärtes Feindbild" - die Containerschulen in Wien - will Jerusalem weiterhin bekämpfen. Die neuen Container seien von 63 Quadratmeter auf 50 geschrumpft, auf genaue Daten von Bürgermeister Häupl warte sie noch. "Mir ist wirklich schleierhaft, wie es möglich ist darin zu lehren und zu lernen."

"Ein Jahr zu wenig"

Der Schritt, ein verpflichtendes kostenloses Kindergartenjahr einzuführen, sei nur ein Schritt in die richtige Richtung. "Ein Jahr ist zu wenig." Die PISA-Studie würde zeigen, dass jene Kinder, die später zu Risikoschülern werden könnten, zwei Jahre brauchen, um "aufzuholen". Zur weiteren Unterstützung verlangt Jerusalem, dass mehr Fachleute wie SozialarbeiterInnen, PsychologInnen,  LegasthenieleherInnen und LogopädInnen an Schulen arbeiten. "Es muss einen Pool geben und je nach Standort und Bedarf, bekommt eine Schule Fachkräfte zugeteilt." Das gemeinsame Schulsystem in Finnland wirkt sich auf die Betreuung aus: "Keine Schule in Finnland kann schwierige Kinder loswerden, deshalb muss sie sich um diese kümmern."  Ungefähr ein Drittel der ErzieherInnen und PädagogInnen in Finnland seien eben Fachkräfte (zum Beispiel: PsychologInnen), so Jerusalem. Ein Anteil der auch für Österreich erstrebenswert sei. (edt/derStandard.at, 11.11.2008)

  • Die Situation für SchülerInnen und Schüler in Wien ist beengend.
    foto: standard/salzburg

    Die Situation für SchülerInnen und Schüler in Wien ist beengend.

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