"In Österreich auf taube Ohren gestoßen"

11. November 2008, 11:00
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Von 2. bis 9. November fand in ganz Europa die Europäische Jugendwoche statt: Ein österreichisches Team schaffte es, mit einer mobilen Ausstellung zur Lage der Asylwerber den "European Youth Award" abzuräumen.

Wien - Dass der Beliebtheitsgrad der EU bei den Österreichern Umfragewerten zufolge sinkt, beeindruckt die Jugend wenig. Diese treten nicht in die Fußstapfen ihrer Eltern und zeigen sich, zumindest bei der neuen Jugendstudie des Instituts für Jugendkulturforschung, eindeutig EU-freundlich: Lediglich sechs Prozent der 900 Befragten bezeichnen sich als EU-Gegner.

Der Grund für den jungen Optimismus ist vor allem die Palette an Studien- und Arbeitsmöglichkeiten im Ausland. Doch auch andere EU-Projekte ziehen die Jugend an: Am 2. November startete die "Europäische Jugendwoche". In 31 Ländern wurde zum 20-Jahr-Jubiläum europäischer Austausch- und Mobilitätsprogramme ein breites Programm geboten.

Der Höhepunkt wurde in Brüssel erreicht, als die "European Youth Awards" von EU-Bildungskommissar Ján Figel verliehen wurden; als das beste von 30 Projekten zum Thema "interkultureller Dialog" wurde ein österreichisches Jugendprojekt gekürt.

"N_irgendwo daheim" heißt die Ausstellung, die Österreich den Award einräumte. Ein Jahr lang recherchierte eine Gruppe aus Tirol für eine mobile Exposition, die die "Stationen Asylsuchender auf ihrer Reise ins Ungewisse" darstellt.

Dieses Frühjahr am Hauptbahnhof von Innsbruck erstmals ausgestellt, lassen die Broschüren, Plakate, Fotos und ein von Studierenden produzierter Kurzfilm viele Passanten innehalten.

Christine Düringer (22), die den Preis entgegennahm, ist zufrieden mit dem Ergebnis der harten Arbeit für "N_irgendwo daheim". Den Studierenden machte viel weniger die Finanzierung - sie wurden durch die Nationalagentur und das Unterrichtsministerium unterstützt - als vielmehr die Öffentlichkeitsarbeit einen Strich durch die Rechnung.

Die Presse zeigte sich unbeeindruckt, erzählt Düringer. Sie habe dazugelernt, dass die Asylthematik auf EU-Ebene wichtig sei, doch "in Österreich auf taube Ohren gestoßen ist".

885 Millionen Euro werden für Europas Jugend im Rahmen des EU-Programms "Jugend in Aktion", das 2007 startete, bis 2013 zur Verfügung gestellt.

Unterstützt mit Millionen

Laut der Nationalagentur "Jugend in Aktion" wurden allein in Österreich 287 Jugendprojekte im Jahre 2007 mit 2,1 Millionen Euro gefördert, darunter auch "N_irgendwo daheim", koordiniert von Sonja Steixner, Lektorin des Studiengangs Soziale Arbeit am Management Center Innsbruck.

Mindestens dieselbe Summe soll auch in diesem Jahr zu Verfügung gestanden sein. Um finanzielle Unterstützung kann jeder Jugendliche mit einer Projektidee bei der Österreichischen Nationalagentur ansuchen. Dies taten auch die 14 jungen Tiroler von "N_irgendwo daheim", die sich von der komplexen Bürokratie nicht abschrecken ließen.

Es war ihnen ein Anliegen, die Bevölkerung über die Lage der Asylwerber Österreichs aufzuklären. "Wir haben davor in einem Flüchtlingsheim in Innsbruck gearbeitet und gesehen, wie extrem die Situation ist", erzählt Düringer.

In Brüssel stellten sich EU-Politgrößen wie Figel den Forderungen der Jugendvertreter. Angesprochen wurden die noch immer währenden Einreiseprobleme, die Austauschprogramme erschweren, diskutiert wurde auch die Rolle der Jugend in der Gesellschaft und Bildungs- und Beschäftigungspolitik. Eine "V-card" soll eingeführt werden, so eine der konkreten Forderungen der Jugendlichen: Sie soll Volontärsarbeit junger Europäer durch Unterstützungsleistungen bei der Versicherung und dem Transport sichern.

Düringer wurde zu wenig über die nichteuropäische Jugend gesprochen. Genau das möchte sie in Zukunft ändern, die mobile Ausstellung soll noch viele andere über die Lage der Asylanten informieren, sie besuchen "jeden, der Platz hat", bietet Düringer an.(Sara Mansour Fallah/DER STANDARD, 11.11.2008)

  • Sechs Prozent der jungen Österreicher sind EU-Gegner, sagt eine Studie des Instituts für Jugendkulturforschung.
    foto: standard/urban

    Sechs Prozent der jungen Österreicher sind EU-Gegner, sagt eine Studie des Instituts für Jugendkulturforschung.

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