Entspannung nur vorübergehend

28. Februar 2003, 19:18
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Nachhaltige Verbilligung in weiter Ferne - Grund dafür sind die extrem niedrigen US-Öllager und der teilweise Lieferausfall in Venezuela

Wien - Nach der Zustimmung des Iraks zur Zerstörung seiner Raketen hat der Ölpreis zu Wochenschluss wieder leicht nachgegeben. Das sehen Experten und Händler aber nur für eine vorübergehende Entwicklung. Dies deshalb, weil der Irakfaktor derzeit nicht der eigentliche Preistreiber ist. "Viel größeren Einfluss haben die deutlich unter Normalniveau liegenden Lieferungen aus Venezuela, das große Problem sind die sehr niedrigen US-Lagerbestände", sagt Johannes Benigni, der Österreich-Chef des internationalen Energiebrokers PVM.

Dass die US-Raffinerien ihre Verarbeitungsanlagen derzeit von Heizöl auf Sprit umstellen, limitiere den Markt. Dazu komme das extrem kalte Winterwetter im Nordwesten der USA, dem größten Heizölmarkt der Welt, sagen Experten des heimischen Ölkonzerns OMV.

Venezuela-Faktor

Venezuela produziere derzeit laut Regierung zwei Mio. Fass (je 159 Liter), laut Opposition seien es 1,5 bis 1,6 Millionen. PVM-Ölexperte Ehsan Ul-Haq schätzt, dass die Fördermenge zwischen diesen Werten liegt. "Aber es wird für Venezuela immer schwieriger, die Produktion noch mehr zu erhöhen, weil viele der alten Förderanlagen, die durch den Streik geschlossen wurden, nicht so schnell aufgedreht werden können. 400.000 Fass sind für immer verloren", schätzt Ul-Haq. Um auf das alte Förderniveau - in Normalzeiten drei Mio. Barrel - zu kommen, seien Investitionen von sechs Mrd. Dollar erforderlich, die angesichts der Budgetkürzung der Regierung in Caracas kaum darstellbar seien.

Bei PVM kann man die Opec-Berechnungen nicht nachvollziehen, dass das Produktionskartell Reservekapazitäten von vier Mio. Fass hat. Genaue Schätzungen seien zwar schwierig, dennoch habe die Opec vermutlich nur 1,5 Millionen an zusätzlichen Mengen, die bei einem Ausfall der irakischen Exporte auf den Markt gepumpt werden könnten. Allerdings drohe deshalb noch immer kein Engpass, weil die Ölnachfrage im zweiten Quartal (Ende des Winters) um ein bis 1,5 Mio. Fass niedriger sei.

Was noch dazukommt: Mit dem Ende der kalten Jahreszeit würden die russischen Häfen an der Ostsee eisfrei, damit könne auch Russland, falls es erforderlich sei, mehr Rohöl auf den Markt bringen, ergänzt Benigni. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD, Printausgabe 1.3.2003)

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    Der bei einem Angriff drohende Ausfall der Ölexporte des Irak wird laut Händlern zu keinem Engpass führen.

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