Medienfront für Kriegskurs

30. Jänner 2004, 13:42
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Spaniens staatliches Fernsehen blendet Protestdemos aus. In Zeitungen mahnen Freunde des Premiers wegen dessen "gefährlichen Spiels"

Zwei Großdemonstrationen, eine von Betroffenen der Ölpest, eine gegen den Irakkrieg, und doch ein gemeinsamer Feind: "Television". Dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen TVE warfen Hunderttausende in Sprechchören Zensur und Manipulation vor. Während alle spanischen Programme die Massenproteste gegen das Krisenmanagement der Regierung übertrugen, spielte TVE ihre "Starmania"-Variante "Operación Triunfo". TVE hatte sogar die Hochzeit der Tochter von Premier José María Aznar live gezeigt.

Schon mit dem verheerenden Tankerunglück vor Galiciens Küste sank das Prestige von Aznar. Auch in der Irakkrise muss der Regierungschef auf freundlich gesinnte Zeitungen, Radios und TV-Sender setzen. Gegen den Willen der Mehrheit der Spanier ist Premier Aznar neben Tony Blair engster Verbündeter von US-Präsident Bush in Europa.

El País mit klarem Gegenkurs

In sieben Amtsjahren brachte die konservative Regierung wichtige Radio- und Fernsehstationen unter ihren Einfluss. Der ehemals staatliche Telekomriese Telefónica engagierte sich bei privaten Sendern. Das ermöglicht jetzt eine breite Medienfront, die Argumente gegen den Krieg ausblendet.

Der traditionell der sozialistischen Opposition verbunden Prisa-Konzern steuert mit dem Flaggschiff El País und angeschlossenen Radiosendern klaren Gegenkurs: scharfe Kritik an den Hardlinern in der Irakfrage, von Bush bis Aznar. Das konservative Blatt ABC musste nach Aznars Besuch beim Heiligen Vater am Donnerstag zwischen den völlig konträren Standpunkten des Vatikans und der spanischen Regierung jonglieren. Die ebenfalls als regierungsnah gescholtene Tageszeitung El Mundo markiert wiederum Distanz zur Kabinettslinie. Chefredakteur Pedro J. Ramírez tippt flammende Appelle an Duzfreund Aznar, das "gefährliche Spiel mit der Kriegsdrohung" zu überdenken.

"Operación Triunfo" mit pazifistischen Bekenntnissen

Pazifistische Bekenntnisse kommen aber auch von völlig unerwarteter Seite. Teilnehmer von "Operación Triunfo", der spanischen Kombination von "Big Brother" und Wettsingen, protestierten zum Leidwesen der Sendungsmacher von TVE live und unter heftigem Applaus des Publikums gegen die Kriegspläne der Regierung. (DER STANDARD; Printausgabe, 1./2.3.2003)

Josef Manola aus Madrid
  • Bleibt in Spaniens öffentlich-rechtlichem Fernsehen TVE weitgehend ausgeblendet: Protest gegen den Kriegskurs von Premier José María Aznar gegen den Irak.
    foto: epa

    Bleibt in Spaniens öffentlich-rechtlichem Fernsehen TVE weitgehend ausgeblendet: Protest gegen den Kriegskurs von Premier José María Aznar gegen den Irak.

  • Teil 3 der Serie
    grafik: der standard

    Teil 3 der Serie

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