Vaclav Klaus

28. Februar 2003, 18:55
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Präsidentenamt als Trostpflaster für den "Professor"

Prag - Die Frage, wie man Vaclav Klaus (61) nun ansprechen soll, ist geklärt: Herr Präsident. Nachdem er alle politischen Ämter verloren oder aufgegeben hatte - das Amt des Ministerpräsidenten im Jahr 1997, den Parlamentsvorsitz im Jahr 2002 und den Vorsitz seiner Demokratischen Bürgerpartei (ODS) im selben Jahr, hatten die Journalisten ein Problem, wenn sie ein Interview mit ihm machen wollten. Die Anreden "Herr Abgeordneter", "Herr Ehrenvorsitzender" (der ODS) oder "Herr Klaus" gefielen ihm nicht. Nur "Herr Professor" akzeptierte er. Nach zwei gescheiterten Kandidaturen im Jänner schaffte Klaus am Freitag endlich den Sprung an die Staatsspitze und wurde vom Parlament in Prag zum Staatspräsidenten gewählt.

Die Wahl zum Nachfolger Vaclav Havels ist für Klaus ein Trostpflaster für seine wechselhafte politische Karriere. Mehr als zwölf Jahre war Klaus an der Spitze der ODS, die er 1991 gegründet hatte. In diesem Zeitraum erlebte er gute und schlechte Zeiten. Nach den klaren Wahlsiegen in den Jahren 1992 und 1996 war er mehr als fünf Jahre Ministerpräsident der Tschechischen Republik. Ein Desaster für sein nicht verstecktes Selbstbewusstsein kam im Herbst 1997, als sein Koalitionskabinett wegen einer ODS-Spendenaffäre zerfiel. Damals wurde er politisch abgeschrieben - in der Wählergunst fiel die ODS vorübergehend sogar auf einstellige Werte.

Parole: "Kopf hoch!"

Im Jahr 1998 konnte er seine Partei aber mit der Wahlparole "Kopf hoch!" aus der Krise herausführen und wieder den Platz als eine der stärksten Parteien im Lande einnehmen. Von 1998 bis 2002 war Klaus Vorsitzender des Abgeordnetenhauses, ein Amt, das er dank des so genannten "Oppositionsvertrags" der ODS mit den Sozialdemokraten (CSSD) inne hatte. Bei den Parlamentswahlen 2002 unterlag seine Partei erneut den Sozialdemokraten, woraufhin Klaus bei einem Parteitag im Dezember dem ODS-Vorsitz niederlegte.

Als Staatspräsident will Klaus vor allem zur Verteidigung der Interessen der Tschechischen Republik in der EU beitragen und so weit wie möglich freundliche Beziehungen mit den Nachbarn pflegen, weil diese in den vergangenen Jahren "unangenehme und für uns nicht gewünschte Schrammen erlitten haben". Dieses Thema war für Klaus immer wichtig. Er zählte zu jenen Politikern, die sich stark für die 2002 im Abgeordnetenhaus verabschiedete Resolution zu den Benes-Dekreten einsetzten. Die Aufhebung der Dekrete, hinter der er die Versuche um die Revision der Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges sieht, lehnt Klaus strikt ab. Demgegenüber war Klaus einer der wenigen Politiker Tschechiens, die sich in 2000 gegen die EU-14-Sanktionen gegen Wien einsetzte und diese als Einmischung in innere Angelegenheiten Österreichs bezeichnete.

Reservierte Haltung zur EU

Zur EU, besonders der Tiefe der Integration, hat Klaus eine reservierte Haltung. So sagte er einst, dass sich Tschechien "nicht im Brüsseler Kaffee wie ein Würfel Zucker auflösen" dürfe. Nie verheimlichte er auch, dass er eine Schwäche für die Rezepte der einstigen britischen Ministerpräsidentin Margaret Thatcher hat. Dies gilt nicht nur in Wirtschaftsfragen, sondern auch in Bezug auf die europäische Integration. Den EU-Beitritt an sich befürwortet Klaus - es war übrigens seine Regierung, die 1996 den Antrag auf Mitgliedschaft in der Union stellte. Allerdings warnt er vor einer zu starken Machtkonzentration in Brüssel und der Einheitswährung Euro.

Seine politische Karriere begann der Absolvent der Prager Hochschule für Ökonomie (Studienzweig Außenhandel) unmittelbar nach der Wende 1989, als er sich dem Bürgerforum (OF) von Vaclav Havel anschloss. Als Wirtschafts- und Bankenexperte wurde er Finanzminister der ersten nicht-kommunistischen tschechoslowakischen Regierung, wo er seine Vision der "Marktwirtschaft ohne Attribute" durchzusetzen begann.

"Macher" Klaus

Klaus gilt als Perfektionist mit auch von Gegnern respektierten Qualitäten als "Macher" und guter Krisenmanager, was er bei der glatten Teilung der tschechoslowakischen Föderation im Jahr 1992 bewies. Wegen seines starken Selbstbewusstseins gerät er mitunter leicht mit seiner Umgebung leicht in Streit. Dies gilt insbesondere für die Medienwelt - viele Journalisten werfen ihm vor, ihm gestellte Fragen lieber zu kommentieren als sie zu beantworten. Erfreut über die Medien war Klaus auch nicht, als sie 2002 einige Bilder druckten, auf denen er mit einer jungen Studentin der Prager Wirtschaftshochschule in einer mehr als nur freundschaftlichen Situation erwischt wurde. Seine Ehefrau Livia habe ihm diese Eskapade aber schon verziehen, hieß es. (APA)

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