Theater: Untergangsjodeln im Bergpanorama

11. November 2008, 10:07
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Das TAG bringt mit "Better Wetter" ein Hysterical mit Handlungsmittelpunkt über tausend Höhenmetern

Man sollte nicht vergessen, dass die Luft dünner wird - dort oben, in den Bergen: Ein Hysterical mit Handlungsmittelpunkt über tausend Höhenmetern lebt zwar auch von wilden Gesten und Grimassen; atemberaubend hysterisch wird's aber nicht bei Better Wetter von Dana Csapo und Isabelle Uhl. Ein Papp-Gipfel thront auf der Zuschauertribüne, das Publikum ist im Zentrum des Geschehens auf Drehsessel verwiesen. Inmitten der Devotionalien für Alpenkitsch und begleitet von Zitherklängen (Veronika Daxecker) hat man sich somit zusammengefunden, um im gemächlichen Erzähltempo in Richtung Bergklima-Katastrophe zu wandern und dabei jedes Bergvolk-Klischee gehörig abzujausnen.

Auf der Alm, da ist eben alles relativ: Die Temperaturen steigen, der Wintertourismus zerschmilzt. Der überhitzte Junghotelier Grantler (Julian Loidl) ist ein Tourismustraditionalist, sein Vater (Horst Heiß) schwelgt für sommerliche Extremsportangebote. Die Saisonhilfe (Hille Beseler) ist natürlich eine Deutsche (Pflicht!), eine proaktive Zahnschmelzprinzessin im Modedirndl. Dazu serviert man eine Klimatologin (Seraphine Rastl): schroff und der Manneskraft in der Natur zugetan. Angebandelt wird im PR-Slang, die Wetterkapriolen besingt man in Gstanzl-Form. Hier, die Aufforstung der Alm. Da, das Verscherbeln des Quellwassers. Den Schluss bewerkstelligt ein "galoppierender Gletscher". Endlich. Hier fehlt einiges an Tempo und unverbrauchtem Witz. (DER STANDARD - Printausgabe, 11. November 2008)

TAG, 6., Gumpendorfer Str. 67, (01) 586 52 22, 18.-22. 11., 19./20. 12. 20.00

Link
www.dastag.at

  • Auf der Alm hat man Spaß, auch mit schmelzendem Wintertourismus: "Better Wetter" im TAG.
    foto: anna stöcher

    Auf der Alm hat man Spaß, auch mit schmelzendem Wintertourismus: "Better Wetter" im TAG.

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