Marokko ruft Imame zum Kampf gegen den Terrorismus auf

11. November 2008, 07:06
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In Spanien lebt mit 600.000 Einwanderern die größte marokkanische Exilgemeinde Europas

Madrid - Der marokkanische Minister für Islamische Angelegenheiten, Ahmed Touig, hat am Wochenende in Marrakesch die in Spanien tätigen marokkanischen Imame aufgerufen, verstärkt den islamischen Terrorismus zu verurteilen und einen toleranten und gemäßigten Islam zu predigen. Wie das spanische Nationalradio RNE am Montag berichtet, ist der Aufruf Teil einer Offensive von König Mohammed VI., dem Vormarsch des radikalen Islamismus innerhalb Marokkos sowie in der marokkanischen Exilgemeinde Einhalt zu gebieten.

In Spanien lebt mit 600.000 Einwanderern die Mehrzahl der insgesamt 3,2 Millionen marokkanischen Immigranten in Europa.

Zahlreiche Festnahmen

In den vergangenen Jahren kam es in Spanien immer wieder zu Festnahmen marokkanischer Fundamentalisten. Zuletzt wurden Mitte Oktober 13 Marokkaner in Barcelona, Madrid und Algeciras festgenommen, die unter Verdacht stehen, islamischen Extremisten nach den Madrider Zugattentaten vom 11. März 2004 Unterschlupf gewährt und ihnen zur Flucht ins Ausland verholfen haben. Bei den Terroranschlägen von 2004 kamen 191 Menschen ums Leben, 1.800 Personen wurden schwer verletzt. Die meisten der Terroristen stammten aus Marokko. Seitdem hat das marokkanische Königreich sich den zweifelhaften Ruf als "Brutstätte des Terrorismus" erworben.

Obwohl der marokkanische König Mohammed VI. versucht, die religiöse Tradition mit einem modernen und weltoffenen Staat in Einklang zu bringen, verzeichnen islamische Parteien und Organisationen in den letzten Jahren starken Zulauf. Allein in den vergangenen fünf Jahren wurden 16 islamische Zellen in Marokko zerschlagen. Vor allem die salafistische "Gruppe für Predigt und Kampf" (GSPC), die sich in "Al-Qaida im Maghreb" umbenannt hat, rekrutiert zusehends mehr Terroristen in Marokko sowie unter den marokkanischen Einwanderern in Spanien.

Spanien, das ehemals arabisch besetzte Al-Andalus, sowie die heutigen spanischen Enklaven in Marokko, Ceuta und Melilla, werden immer noch von islamischen Fundamentalisten beansprucht. Al-Qaida Chef Osama bin Laden rief höchstpersönlich zur Befreiung des von den Ungläubigen besetzten Spaniens auf. Die marokkanische Regierung versucht nun durch eine verstärkte Kontrolle der Moscheen außerhalb Marokkos, größeren Einfluss auf die marokkanischen Exilgemeinden nehmen zu können und somit eine Radikalisierung zu verhindern. (APA)

 

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