Hallstein-Preis an Claudio Magris

10. November 2008, 20:02
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Joschka Fischer hielt in Frankfurt die Laudatio


Frankfurt/Main - Der italienische Schriftsteller und Wissenschaftler Claudio Magris ist am Montag in Frankfurt/Main mit dem Walter-Hallstein-Preis 2008 ausgezeichnet worden. Mit dem seit 2002 von der Frankfurter Goethe-Universität, der Stadt Frankfurt und der Dresdner Bank vergebenen Preis werden Persönlichkeiten geehrt, die die Europäische Union als Friedensordnung vorangebracht haben. Magrishabe mit seinem Gesamtwerk wie kaum ein anderer die Idee eines kulturellen Mitteleuropas entfaltet, heißt es in der Begründung der Jury.

Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer nannte Magris in seiner Laudatio einen überragenden Vertreter der europäischen Kultur. Die Vergabe des Preises an einen Publizisten sei folgerichtig nach der Reihe von Politikern, Ökonomen und Juristen, die in den vergangenen Jahren mit dem Walter-Hallstein-Preis ausgezeichnet wurden. Fischer verwies auf die wichtige Bedeutung der Kultur bei der Vermittlung des Themas Europa. Magris Texte manifestierten einen Freiheitswillen, der zum kostbarsten Erbe Europas zähle. Mit Bezug auf die aktuelle Finanzkrise in Europa und die damit verbundene Diskussion sagte Fischer, gerade der Finanzplatz Deutschland brauche ein starkes Europa. Wer heute national handle, verkenne den Ernst der Lage.

Herbert Walter, der Vorstandsvorsitzende der Dresdner Bank, sagte, von Claudio Magris und seiner Wortkunst profitiere nicht nur Italien, sondern ganz Europa. Auch er ging auf die aktuelle Finanzkrise ein und forderte, den Schwung der gemeinsamen Rettungsaktion der EU-Staats- und Regierungschefs von Anfang Oktober jetzt zu nutzen, um eine gemeinsame europäische Finanzarchitektur zu etablieren.

Magris, der 1939 in Triest geboren wurde, wurde einem breiten Publikum 1986 mit seinem Werk "Danubio" (Donau) bekannt, einer literarischen Reise entlang der Donau von der Quelle bis zur Mündung. In dessen Vordergrund steht die multikulturelle Vergangenheit des Donauraumes.

Benannt ist der mit 20.000 Euro dotierte Preis nach dem ersten gewählten Nachkriegsrektor der Universität Frankfurt und ersten Präsidenten der Europäischen Kommission, Walter Hallstein. Zu den bisherigen Hallstein-Preisträgern gehören unter anderem Hans-Gert Pöttering, der Präsident des Europäischen Parlaments, die lettische Staatspräsident und Vaira Vike-Freiberga und der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker. (APA/AP)

 

 

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