Bereits mehr als 800 Beschwerden über mangelhafte AWD-Beratung

10. November 2008, 19:30
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VKI sammelt weiter Unterlagen von Immofinanz-Aktionären

Wien - Für den Strukturvertrieb AWD wird die VKI-Sammelaktion von Beschwerden über aus Kundensicht fehlerhafte oder unvollständige Beratung bei der Vermittlung von Immofinanz-Aktien immer ungemütlicher. Bereits über 800 AWD-Kunden haben beim Verein für Konsumenteninformation (VKI) den online-Fragebogen (www.verbraucherrecht.at) vollständig ausgefüllt und reklamieren damit Beratermängel.

"Wir bekommen täglich Rückmeldungen in einer Masse, mit der wir gar nicht gerechnet haben", erklärte der VKI-Rechtsexperte Peter Kolba auf Anfrage des Standard. "Jetzt sammeln wir die schriftlichen Unterlagen zu den Online-Beschwerden ein."

Bereits in ein bis zwei Wochen hofft der VKI, der zur Bearbeitung der Fälle sein Team aufgestockt hat, eine Schadenssumme eruieren zu können, mit der er an den AWD herantreten will.

"Man wird aus den gesammelten Unterlagen sicher gewisse Muster erkennen können, denn der einzelne AWD-Berater erfindet ja nicht seine Beratungslinie, sondern die wird vom AWD vorgegeben", erläutert Kolba. Man könne sich beim AWD auch nicht zurücklehnen und auf die Beraterprotokolle verweisen, ist Kolba überzeugt. "Sehr viele Kunden geben an, sie hätten die Protokolle ungelesen unterschrieben, es kommt nicht auf die Protokolle an, sondern auf die mündliche Beraterleistung", meint der VKI-Rechtsexperte.

Schadenersatz

Vor allem, wenn Anlegern, die bislang keine Erfahrung mit Aktien hatten, Immobilienpapiere als "sichere Anlage" oder gar als "mündelsicher" verkauft werden, liege es nahe, dass die Kunden falsch beraten worden seien. Die Ansprüche auf Schadenersatz verjähren binnen drei Jahren ab Kenntnis des Schadens und des Schädigers. Wenn der Berater von Kunden zur Rede gestellt wurde, aber zum Behalten der Wertpapiere geraten habe, kann dies laut VKI als "Hemmung" der Verjährungsfrist gesehen werden.

Im Stich gelassen fühlen sich aber nicht nur Kunden des AWD. Auch Dieter Fellhofer, der im Frühjahr 2007 auf Anraten der Sparkasse Kremstal-Pyhrn bei der Kapitalerhöhung der Immofinanz-Tochter Immoeast 950 Immoeast-Aktien zum Kurs von 10,20 Euro erworben hat, ist massiv verärgert und frustriert. Als sich der Wert des ursprünglich 9690 Euro schweren Investments immer mehr verringerte, habe er sich seit Juli 2007 in regelmäßigen Abständen bei seinem Bankberater gemeldet und nachgefragt, ob er nicht doch aus dem Papier aussteigen sollte, um seine Verluste zu begrenzen. "Die Empfehlung der Bank lautete immer, Augen zu und durch, oft auch mit Verweis auf Analysen der Erste Bank und deren Kursziele für die Immoeast-Aktie", erzählte Fellhofer dem Standard.

"Der Kauf war eine Entscheidung, zu der ich stehe, aber was mich wütend macht, ist die darauf folgende permanente Inkompetenz bei der Beratung." Selbst im Spätsommer 2008 sei ihm noch zum Halten der Aktie geraten worden. Inzwischen notiert das Papier bei 57 Cent. "Hätte ich auf meinen Bauch gehört, hätte ich mich anders entschieden." (Gabriele Kolar, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.11.2008)

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