Stimmenfang vor Meinl-Versammlung

10. November 2008, 19:26
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Kommenden Donnerstag und Freitag werden die Weichen bei Meinl International Power neu gestellt. Dementsprechend groß ist im Vorfeld die Nervosität. Derzeit steht der Kauf von Stimmen im Mittelpunkt

Wien - Kurz nachdem er sich für die Hauptversammlung (HV) von Meinl International Power (MIP) kommenden Donnerstag angemeldet hatte, bekam er einen interessanten Anruf: Ein Vorstandsmitglied der Meinl Bank habe ihm ein Angebot für die zur HV angemeldeten Zertifikate gelegt.

"Er" ist Fondsmanager und möchte anonym bleiben. "Solche Angebote haben auch etliche meiner Kollegen bekommen", sagt der Fondsmanager zum Standard. 7,50 Euro je Anteilsschein habe der Meinl-Bank-Manager für sein Zertifikate-Paket geboten. Der Kurs liegt aktuell bei 6,67 Euro. "Die wollen offenbar so viele Papiere wie möglich aufsammeln", folgert der Fondsmanager.

"Wir kaufen keine Zertifikate", heißt es dagegen aus der Meinl Bank, "weil wir glauben, Signale aus dem Markt zu haben, dass die Vorschläge des MIP-Boards angenommen werden."

Was sicher ist: Bei der kommenden HV zählt jede Stimme. MIP-Chef Hans Haider hofft auf die Zustimmung der Anleger, damit Audley Capital Advisors LLP die MIP-Managementgesellschaft MPM ("Meinl Power Management") übernehmen kann. Pikant: Hinter Audley steht Michael Treichl, der auch im MIP-Direktorium sitzt.

Für die Meinl-unabhängige Aktionärsgruppe ("Rebellen") nährt der Versuch, Zertifikate anzukaufen, den Verdacht, dass bei dem Aktionärstreffen "nicht alles mit rechten Dingen zugehen wird". Anwälte der Rebellen sprechen in diesem Zusammenhang von "Insiderhandel". Man könne die Information, wer wie viele Zertifikate zur Hauptversammlung anmeldet, nur aus dem Anmeldeverzeichnis haben, das von den Banken an MIP weitergeleitet wird. Bediene man sich dieser Information, die eben nur einer Seite vorliegt, dann stelle das Insiderhandel dar, wird argumentiert. der Standard betont, dass für alle die Unschuldsvermutung gilt. Jedenfalls würden die Daten der HV-Teilnehmer "missbräuchlich verwendet", heißt es.

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hält fest, dass dies keine Frage der Aufsicht darstelle. Man prüfe nur, ob der Börsenhandel ordnungsgemäß ablaufe.

"Schiefe Optik"

"Daten darf man prinzipiell immer nur für den Zweck verwenden, für den sie erhoben werden", sagt Hans Zeger von der ARGE Daten. Prinzipiell dürfte man Daten, die für die Organisation einer Veranstaltung erhoben werden, nicht dafür verwenden, Aktienkäufe anzuleiern, fasst der Datenschutzexperte zusammen. "Das ergibt eine schiefe Optik", sagt Zeger zum Standard. Die Frage sei, ob es für so ein Vorgehen Vollmachten gebe.

Warum der Stimmenkampf in diesem Fall so wichtig ist: Nach der außerordentlichen MIP-HV findet am Freitag eine Sonderhauptversammlung statt, die von den Rebellen verlangt wurde. Sie wollen erneut einen Putschversuch starten und das MIP-Board um Ex-Verbund-Chef Hans Haider abwählen. Bei Airports International (hieß früher Meinl Airports International) ist das im Juli gelungen.

Die vergangene MIP-HV vom 28. Juli beschäftigt mittlerweile auch das Gericht in Jersey. Dort wurden mehrere Beschlüsse von den Rebellen angefochten. Dabei geht es unter anderem um die durchgeführte Abwahl von Treichl aus dem MIP-Board und die Wahl von Richard Boleat, der von den Rebellen nominiert wurde. Diese Beschlüsse wurden, wie berichtet, umgedreht, indem im Nachhinein Stimmen zugelassen wurden. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.11.2008)

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