IAEO-Inspektoren entdeckten angeblich Uran-Spuren

10. November 2008, 20:21
5 Postings

Angeblicher Reaktor im Vorjahr von Israel zerstört - Vermutete Atomaktivitäten werden erstmals Thema bei IAEO-Treffen

Wien - Inspektoren der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) haben in Syrien auf dem Gelände eines im vergangenen Jahr von der israelischen Luftwaffe zerstörten Gebäudes Spuren von Uran entdeckt. Das bestätigten westliche Diplomaten am Montagabend in Wien der Deutschen Presse-Agentur dpa. Israel und die USA haben Damaskus vorgeworfen, auf dem Gelände bei al Kibar - eventuell mit Hilfe nordkoreanischer Techniker - an einer Produktionsstätte zur Herstellung von spaltbarem Material gebaut zu haben.

Die Experten der UNO-Atombehörde hätten die Uranspuren bereits bei ihrem ersten Besuch des Geländes im Juni dieses Jahres nachgewiesen, hieß es in Wien. IAEO-Chef Mohammed ElBaradei wird demnächst seinen Report über die Ergebnisse der Untersuchung dem Gouverneursrat der Atombehörde übermitteln, der am 28. November in Wien zusammentritt. Syrien muss sich damit erstmals vor der IAEO wegen vermuteter illegaler Atomaktivitäten verantworten.

Zusätzliche Fragen

"Die Behörde glaubt genügend Informationen zu haben, um Syrien direkt nach Nordkorea und dem Iran auf die Tagesordnung (der IAEO) setzen zu können", sagte ein ranghoher Diplomat am Montag der Nachrichtenagentur Reuters in Wien. Ein anderer Diplomat mit Verbindungen zur IAEO ergänzte, er wisse zwar nicht genau, was die Inspektoren auf dem Gelände der bombardierten Anlage gefunden hätten. Die Indizien würden aber zusätzliche Fragen aufzuwerfen, die von Syrien beantwortet werden müssten.

Die israelische Luftwaffe hatte die Baustelle im September 2007 bombardiert und das Gebäude zerstört. Washington hatte der IAEO erst Monate später Geheimdienstmaterial zur Verfügung gestellt, das die US-Vorwürfe untermauern sollte. Demnach stand Syrien mit nordkoreanischer Hilfe kurz vor der Fertigstellung einer Anlage zur Plutoniumherstellung. Damaskus gestattete daraufhin Inspektoren der UNO-Behörde erstmals die Untersuchung des bombardierten Geländes.

Diplomaten, die bei den Vereinten Nationen in Wien akkreditiert sind, wiesen am Montag darauf hin, dass die Entdeckung von Uranspuren nicht automatisch bedeute, dass Syrien in Al Kibar atomaren Brennstoff oder angereichertes Uran gelagert habe. Allerdings habe es sich bei den entdeckten Spuren "nicht um Natur-Uran" gehandelt. Es gebe jedoch mehrere Möglichkeiten, wie die Spuren dorthin gelangt sein könnten.

Damaskus hat in den vergangenen Monaten immer wieder betont, dass es sich bei der Anlage von Al Kibar um ein normales militärisches Gebäude gehandelt habe und man weder Urananreicherung noch den Bau von Atombomben plane. Auch ElBaradei hatte noch im September erklärt, auf dem Gelände genommene Proben hätten keinerlei Hinweise auf atomare Aktivitäten enthalten. Das Land betreibt als einzige offizielle Atomanlage einen alten Forschungsreaktor. (APA/dpa/Reuters)

 

Share if you care.