Deutsche Post zieht in den USA die Notbremse

10. November 2008, 19:10
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Ausstieg aus defizitärem inneramerikanischem Express-Geschäft kostet 14.900 Jobs

Fünf Jahre lang hat das US-Geschäft der Deutschen Post nur Verluste gebracht, nun soll es eingestellt werden. Postchef Frank Appel erklärte am Montag, die Post-Tochter DHL werde am 30. Jänner 2009 ihr inneramerikanisches Express-Geschäft beenden. Das hat einen Kahlschlag bei Arbeitsplätzen zur Folge: Von den 18.400 Jobs in den USA fallen rund 14.900 weg. Die operativen Kosten für den gelben Riesen aus Bonn verringern sich so von 4,2 Milliarden auf 770 Millionen Euro.

Gänzlich zieht sich die Post aber nicht aus den USA zurück: Der internationale Expressdienst in die USA und aus den USA heraus bleibt erhalten. Insgesamt wird die Restrukturierung zwei Jahre dauern und drei Milliarden Euro kosten. Der Großteil wird 2008 verbucht, was die Post in die Verlustzone bringt - zum ersten Mal seit dem Börsengang 2000. Doch nur so könne man die "seit längerem inakzeptablen Verluste" in den Griff bekommen, erklärt Appel.

Die Post hatte mit ihrer Tochter DHL die US-Platzhirsche FedEx und United Parcel Service (UPS) angreifen wollen, konnte aber am US-Markt nicht Fuß fassen. Im Mai hatte Appel noch überlegt, die DHL-Flüge in den USA von UPS abwickeln zu lassen. Damals war von 1800 Job-Streichungen die Rede. Mittlerweile hat sich die Weltkonjunktur aber so verschlechtert, dass sich die Post, die im Inland mit dem Brieftransport gute Geschäfte macht, zum radikalen Schnitt entschied.

Nach Daimlers "Scheidung" von Chrysler ist die Post ein weiterer deutscher DAX-Riese, der in den USA viel Geld verlor und aufgeben musste. Die Börse honorierte den Schritt, die Post-Aktie stieg um 8,7 Prozent auf 10,17 Euro. (bau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.11.2008)

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