Von Obama fatal inspiriert

10. November 2008, 18:43
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"Barack Obamas Wahlsieg wirkt auf eine zunehmend fatale Art inspirierend, sowohl in der Kritik als auch in der Zustimmung" - Also eröffnete "Presse"-Chefredakteur ...

Barack Obamas Wahlsieg wirkt auf eine zunehmend fatale Art inspirierend, sowohl in der Kritik als auch in der Zustimmung. Also eröffnete "Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker die diesmalige Wochenendveranstaltung seines Leitartikels unter dem Titel Kein Obama weit und breit. Zum Beweis der Fatalität, der er sich ausgeliefert sah, als er sich von Barack Obamas Wahlsieg zu seinem Text inspirieren ließ, erschien "Die Presse" dieses Tages auf Seite 1 mit einem Foto, aus dem der österreichische Bundespräsident staatstragend und - um es mit Schüssel-Freund Silvio Berlusconi zu sagen - tief braungebrannt herauslächelte.

Sich diese Umfärbung zu erklären, überließ "Die Presse" ganz allein ihren Leserinnen und Lesern, auch der Bildtext schuf keine Klarheit über die Tönung des Staatsoberhauptes: Europa hat Probleme mit der sozialen Mobilität: Hohe Barrieren für Menschen, die nicht zur Mehrheitsbevölkerung gehören. Das wird schon stimmen, wird aber dadurch, dass Fleischhacker seine fatale Art, sich von Obama inspirieren zu lassen, am Bundespräsidenten auslässt, kaum glaubwürdiger. Vielleicht war aber gar nicht Barack Obama schuld, und es handelte sich wieder nur um jenen fatalen Humor, mit dem sich der "Presse"-Chefredakteur neulich zu seinem Going public inspirieren ließ. Dass er sich da noch nicht getraut hat, als steirisches Obama-Double plakativ zu glänzen, war die versäumte Chance, endlich inspirierend zu wirken, egal ob in der Kritik oder in der Zustimmung.

Man kann aber nicht alles, was in Österreich so läuft, auf Barack Obamas Wahlsieg und die daraus erfließende fatale Art der Inspiration zurückführen. So wusste "Österreich" zu berichten: Seit Jahren kriselt es in der Ehe zwischen Karl Habsburg-Lothringen und seiner Francesca. Vor wenigen Tagen soll es zum finalen Krach zwischen den beiden gekommen sein. Es handelt sich dabei, wie nicht anders zu erwarten, um das Tuschelthema der Society, eine Formulierung, die der wahren Tragik des Getuschels nicht gerecht wird. Handelt es sich doch um einen dramatischen Akt weiblicher Selbstbefreiung aus dem habsburgischen Frauenkerker, wenn man den Fellners glauben darf.

Dass sie von Salzburg nach Wien gezogen war - vor allem Francescas Schwiegervater Otto von Habsburg war das ein Dorn im Auge. Für den 95-Jährigen ist eine Scheidung seines Sohnes immer noch undenkbar: "Mein Sohn ist katholisch genug, dass er weiß, was er tut." Aber ist auch seine Francesca katholisch genug? Kaum, teilte sie doch im Gegensatz zur Schöpfungsgeschichte "Österreich" mit: "Ich habe mir meine Welt selbst erschaffen. Anfangs hat niemand an meine Pläne geglaubt. Dann durfte ich in den Achtzigerjahren den Dalai Lama treffen, das hat mein Leben verändert. Er hat mir die Kraft gegeben, an mich zu glauben."

Was kann schon aus einer Mischehe werden, in der der eine Partner katholisch genug ist, dass er weiß, was er tut, und der andere buddhistisch genug, um zu tun, was sein Karma ihn heißt? Wenn eine Frau, eingekeilt zwischen einem 95-jährigen Habsburger und einem kraftspendenden Tibeter, am Enkel des letzten österreichischen Kaisers vorbei den Weg ins Freie sucht, ist das jedenfalls zu Recht das Tuschelthema der Society.

Wahrhafte Tragik hingegen atmet die Ausschaltung von Österreichs Vorzeige-Tanzlehrer durch die Neo-Ball-Organisatorin: Nach 29 Jahren Dank vom Hause Österreich. Wir kennen einander ja kaum, ich habe ihn hauptsächlich bei diversen Jurys gesehen, wo er seinen Senf dazugegeben hat, begründete Frau Treichl den Adelsschlag, mit dem sie das "Alles Walzer" beim Opernball 2009 dem Leiter einer mobilen Tanzschule in Graz übertrug. Der wusste "Österreich" sofort zu vermelden: Also meine Spesen sind gedeckt. Dieser Adelsschlag ist aber einfach anders zu werten.

Dieser Adelsschlag war zweifellos ein Schlag in die Magengrube des Senfspenders. Zwar durfte er im Sonntags-"Kurier" noch das perfekte Geschäftsessen ausrichten, aber was ist das gegen den Opernball! Frau Treichl begründete ihren Schritt majestätisch: "Und so haben wir uns entschlossen, die Bundesländer stärker einzubinden." Da sie sich auch frischen Wind wünscht, dürfen wir hoffen, dass der Opernball schon bald mit einem Schuhplattler eröffnet wird.

Männer von Geschmack sind nicht begeistert. Richard Lugner empört: "Was soll der Blödsinn?" Aber zurück kann er nicht. "Ich hab ja die Loge schon bezahlt." (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 11.11.2008)

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