Haus der Geschichte am Heldenplatz? Contra: Keine freie Platzwahl

10. November 2008, 18:11
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Von Andrea Schurian

Sicher, ein Haus der Geschichte der Republik ist richtig und wichtig, der Zeitpunkt für die Debatte allerdings suboptimal. Wirtschaftskrise. Massenentlassungen. Sparpläne: Alle, auch Kulturtätige, haben derzeit größere Sorgen als ausgerechnet ein neues Museum. Ja, und dann wäre auch noch die freie Platzwahl zu klären.

Wurde lange diskutiert und dann doch nichts daraus: In das Wiener Ringstraßenpalais Epstein zog nicht ein Geschichtsmuseum ein, sondern 2005 das Parlament. Jetzt wird offenbar die - vorsichtig ausgedrückt: seltsame - Idee ventiliert, dieses Haus der Geschichte der Republik am Heldenplatz zu implantieren. Weil man die Weite des Platzes nicht ertragen kann? Weil man jeden freien Quadratmillimeter im innerstädtischen Bereich zumauern will? Weil dem Hitler-Balkon ein identitätsstiftendes Gegengewicht geschaffen würde? Das beeindruckendste Mahnmal ist immer noch der Platz selbst. Unverbaut. Das wurde spätestens nach den Erdäpfelbeackerungen im Bedenkjahr klar.

Sicherlich braucht die Kulturstadt Wien kühne Architektur nicht nur irgendwo an der Peripherie. Aber abgesehen davon, dass, zumal in Sparzeiten, der innerstädtische Palaisbestand für ein Geschichtsmuseum ausreichend sein sollte: So richtig froh konnte man über die architektonischen Eskapaden der Stadt zuletzt nicht werden. Gerade erst haben die Wiener ganz schön draufgezahlt, nämlich so um die 32 Millionen Euro für eine Kitsch- und Quatschorgie namens neuer Pratereingang. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.11.2008)

 

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