Standort Heldenplatz: "Visionär" oder "absurd"

10. November 2008, 18:08
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Kontroversielle Meinungen zum Vorschlag von Präsidialchef Manfred Matzka für das Haus der Geschichte der Republik Österreich

Wien - Der Vorschlag von Präsidialchef Manfred Matzka, das geplante Haus der Geschichte der Republik Österreich zwischen Volksgarten und Heldenplatz zu errichten (Bericht in der Samstagsausgabe), wird von der Standard-Leserschaft kontroversiell diskutiert. Die einen meinen: "Wäre eine wirklich bahnbrechende Lösung" - "Superidee" - "Das wäre eine tolle Manifestation!" - "Ein wahrlich visionärer Entwurf. Bitte unbedingt umsetzen." Andere sind entsetzt: "Neeeiiiiin!" Und: "Bitte nicht den freien Raum dort zubauen. Der Heldenpatz ist einer der wenigen Orte in der Innenstadt, wo man das Gefühl der Weite und Offenheit hat."

Ähnlich gegensätzlich sind auch die Kommentare der Fachleute, die der Standard befragte. Architekturkritiker Friedrich Achleitner: "Ich halte nichts von der Idee. Die Republik würde Imperialismus spielen - ein falsches Symbol. Es ist ein Glück, dass der zweite Flügel der Hofburg nicht mehr gebaut wurde. Es gibt dadurch zwar einen Bruch, aber es ist ein großartiger Stadtraum entstanden."

Jan Tabor pflichtet bei: "Der Vorschlag entspricht dem bescheidenen Horizont des Kanzleramts. Ich finde ihn absurd, völlig daneben." Der Architekturtheoretiker gibt zu bedenken, dass auch die Nationalsozialisten Pläne für den Heldenplatz hatten (vorgesehen war allerdings eine Ausrichtung nicht zu den Hofstallungen hin, sondern zum Kaisergartenflügel).

Auf Ablehnung stößt die Idee auch beim Denkmalschützer Manfred Wehdorn ("Es gibt Plätze, die soll man lieber nicht verbauen" ) und Eva-Maria Höhle, der Generalkonservatorin des Bundesdenkmalamts: "Dass der zweite Flügel nicht gebaut wurde, hat dem Platz gutgetan. In das Gefüge der Hofburg, das seit knapp 100 Jahren nicht mehr angerührt wurde, sollte man heute nicht eingreifen."

Bettina Götz (Artec) hält dagegen: "Wenn man Weltkulturerbe haben will, muss man auch Weltkulturerbe bauen." Neue Architektur mit historischer Substanz zu verbinden, hält sie für gut: "Der Heldenplatz ist ein hochbrisanter Ort - mit ausreichend Platz für moderne Architektur. Gerade an dieser Stelle fehlt eindeutig etwas."

Hermann Eisenköck ergänzt: "Vorausgesetzt, der Inhalt passt:Das Haus der Geschichte könnte ein attraktiver Abschluss des Heldenplatzes sein. Es entstünde ein Konglomerat gut zusammengefügter Gebäude - inklusive der Architektur des 21. Jahrhunderts. Ich halte den Standort für extrem spannend." Das meint auch Adolf Krischanitz: "Ich kann mir den Ort sehr gut für ein Haus der Geschichte vorstellen." Nötig sei jedenfalls ein internationaler Architekturwettbewerb. (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.11.2008)

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    Zwischen Volksgarten und Heldenplatz: ein möglicher Standort für das Haus der Geschichte. 

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